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Montag, 4. Juni 2007

Die Braut des grünen Ritters - Vera Chapman



Vivien wird von ihrer Großtante aus dem Kloster geholt und auf die Burg Haute – Desert gebracht. Das Leben, welches Vivien bisher hinter den Klostermauern geführt hat, unterscheidet sich nicht nur in der fehlenden Magie von ihrem neuen Leben. Von den Nonnen zu einem frommen Mädchen erzogen, wird sie nun von ihrer Tante in der hohen Kunst der Magie unterrichtet. So faszinierend sie auch diese andere Welt findet, die sich Vivien da auftut, so sehr bedacht ist sie auch darauf, nicht in die schwarze Magie abzurutschen, deren sich ganz offensichtlich Morgana bemächtigt.

Doch Morgana unterweist Vivien nicht zu ihrem Vergnügen in der Kunst der Magie, sondern weil sie vor allem anderen eigene Ziele verfolgt. Und um diese zu erreichen scheut sie auch nicht davor zurück, ihre Kräfte einzusetzen um Vivien gefügig und zu ihrem Spielball machen zu können…

Vera Chapman hat in diesem Band die Artussaga weiter geschrieben. So kommt es, dass neben den altbekannten Figuren auch viele neue auftauchen, die in diesem Band im Mittelpunkt der Handlungen stehen.

Das Buch erzählt die Geschichte Viviens in mehreren Handlungssträngen, welche aus verschiedenen Perspektiven verfasst sind. Die vielen Perspektiven verwirren den Leser zwar nicht besonders, wirken aber dadurch störend, dass nirgendwo eine Zeitangabe gemacht wird. So springt das Buch mitunter durch die Jahre, um sich dann plötzlich sehr ausführlich mit einem Tag auseinander zu setzen.

Die Figuren sind auch nicht dazu gemacht, sie als Leser mit einer speziellen zu identifizieren. Sie wirken ein wenig durchsichtig, es fehlt ihnen an Charakter und Tiefe.
Auch die zarte Liebe, die sich zwischen Vivien und Gawain dem jüngeren entwickel oder besser entwickeln sollte, kommt nicht bei der Leserschaft an. Fahrig dahin geschrieben wirkt dieses Buch im Bezug auf das im Klappentext versprochene.

Vielleicht ist es wirklich so, dass man dieses Buch erst dann vollkommen verstehen kann, wenn man die komplette Artussaga gelesen hat.
Das es sich um einen Fantasyroman handelt steht außer Frage, die vielen Fantasyeinflüsse sind einfach nicht von der Hand zu weisen.

So könnte dieses Buch sicherlich sehr lesenswert für alle sein, die eine Ausgeprägte Leidenschaft für König Artus hegen und / oder überzeugte Fantasyleser sind. Alle anderen wird dieses Buch wohl eher enttäuschen.
- in: Rezension Fantasy 481 mal gelesen

Jeden Tag den Tod vor Augen - Volker Uhl




Wie schon in dem ersten Buch der Polizei – Poeten wird der Leser auch in diesem wieder von den Beamten mit auf Streife genommen. Ob es sich nun um einen Selbstmord handelt, der aufgenommen werden muss, oder ob es ein Amokläufer in einer deutschen Stadt in einer Kirche ist, hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Neben den erschreckend detaillierten Beschreibungen der Schauplätze zögern die schreibenden Polizisten auch nicht, ihre eigenen Empfindungen widerzugeben.

Dieser Band ist deutlich härter als sein Vorgänger. Wurden in dem anderen Buch noch über den ersten Dienst erzählt, oder die Ausbildung zum Polizisten an sich, nimmt dieses Buch eine Wendung zu den Erfahrungen, die die meisten Beamten lieber nicht machen möchten. Autounfälle, Kinder in voll gemüllten Wohnungen, Selbstmörder,… das sind die Dinge auf die sich der Leser einstellen muß. Und er wird nicht geschont. Das Grauen, dass einen Beamten überfällt, wenn er in den frühen Morgenstunden einen Teil einer Bahnstrecke abgeht um nach den sterblichen Überresten eines Selbstmörders zu suchen hat nichts mehr dem angenehmen gruseln zu tun, das einen bei der Lektüre eines Stephen King Buches überkommt. Es ist, als würde der Leser Seite an Seite mit dem Beamten diesen Dienst erfüllen.

Die weitaus amüsanteste Szene in dem ganzen Buch ist die, in der ein deutscher Komissar in Amerika kurz vor dem Start des Fluges nach Hause mit samt seinem Sohn aus dem Flugzeug geholt wird, weil etwas mit seinem Mitbringsel nicht stimmt. Und doch ist auch diese Episode nicht wirklich dazu angetan, lauthals zu lachen.

Dieses Buch macht einmal mehr deutlich, wie wichtig die Helden des Alltags sind, die in Uniform und Streifenwagen nichts anderes zu ihrem Ziel machen, als der Welt ein Stück ihres Schrecken zu nehmen. Egal ob man nun ein kleines Kind ist, das Angst vor dem Alleinsein hat, oder ein Erwachsener, dem die Beamten eine schlechte Nachricht überbringen müssen.

Menschlich sein und bleiben, das ist vielleicht noch das höchste Ziel, das diese Menschen sich in ihrem harten Beruf stecken. Und das ist sicherlich bei ihren Erfahrungen niemals einfach...
- in: Rezension Erfahrungen 377 mal gelesen

Die Königsdame - Sabine Weigand



Nachdem meine Rezension zu diesem Buch auf der Histo - Couch erschienen ist, darf ich sie auch hier veröffentlichen.

Ein Meisterwerk unter den historischen Romanen

August der Starke hat viele Probleme, sowohl in politischer Hinsicht als auch im privaten Umfeld. Constantia von Cosel, seine Maitresse en titre, läßt sich immer öfter zu Eifersuchtsszenen hinreißen und macht dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch ihn, den Kurfürsten, lächerlich. Jedermann weiß, dass der Cosel seine ganze Zuneigung gehört, aber es liegt nicht in seiner Art, sich an eine Frau zu binden. Zu sehr lockt ihn das Abenteuer und zu groß ist die Auswahl an hübschen Mädchen und Frauen an und um seinen Hof.

Das Geschenk des Zaren


Eines Tages bringt ihm ein russischer Gesandter ein sehr delikates Geschenk an den Hof zu Dresden – eine junge Türkin, die den Kinderschuhen noch lange nicht entwachsen ist. „In kalten Nächten soll das Mädchen dem Kurfürsten das Bette wärmen“, mit diesen Worten hat der Zar sich der viel zu jungen Türkin entledigt.
August ist gleichermaßen geschmeichelt als auch enttäuscht, denn mit so einem jungen Ding kann er nichts anfangen. Daher wird das Mädchen Fatima zur Freiherrin von Hoym, der späteren Gräfin von Cosel, geschickt welcher sie als Zofe dienen soll.

Nach und nach wird aus dem stummen Mädchen eine hübsche Frau, die auch August ins Auge fällt. Während Constantia endlich mit dem ersten Kind des Kurfürsten schwanger ist, macht er Fatima, die mittlerweile getauft ist und den christlichen Namen Maria Aurora trägt, zu einer weiteren seiner Maitressen. Während die Cosel noch Gift und Galle spuckt, beginnt für Fatima ein neues Leben. Doch dieses neue Leben hat bringt nicht nur Glückliches für die junge Frau mit sich, denn durch die politischen Entwicklungen gibt es schon bald am Hofe zu Dresden eine weitere Frau, die in Augusts Augen einen hohen Stellenwert einnimmt – Gräfin von Dönhoff, eine junge Polin soll seinen politischen Status in Polen sichern und festigen. Während Fatima dieser Entwicklung offen gegenübersteht, sieht die offizielle Geliebte eine weitere Rivalin in ihrem Revier wildern. Sie greift zu drastischen Mitteln…

Frauenheld, Kunstliebhaber und Bautycoon


Mit ihrem neuen Roman ist Sabine Weigand ein wahres Meisterwerk unter den historischen Romanen gelungen. Ausführlich befasst sich dieser Roman mit dem größten deutschen Fürsten der Geschichte – Friedrich August der Starke.
Die schillernde Persönlichkeit, die dieser Mann als Kurfürst von Dresden und König von Polen in sich vereinte, wird mit jeder gelesenen Zeile greifbarer. Er liebte es, sich mit schönen Dingen zu umgeben, schmückte sich mit hübschen Frauen wie mit einem Schmuckstück und baute seine Residenzstadt Dresden zu einer der schönsten Städte Deutschland aus. Immer wieder befällt ihn der „Bauwurm“ der ihn ständig dazu treibt, noch größere Bauten in Auftrag zu geben oder noch prunkvollere Gärten und Parks zu erschaffen. Neben alle dem liebt er die Kunst und so gelingt es ihm, eine der größten Pretiosensammlung der Welt zu erschaffen.

Historisch korrekt recherchiert bietet dieser Roman Lesegenuss pur – und zwar von der erste bis zur letzten Seite. Ohne Längen berichtet er von politischen Verwicklungen Sachsens in den Nordischen Krieg, der für August zusehends von Misserfolgen gekrönt wird. Die Polen wollen ihn nicht als ihren König behalten und auch der Schwedenkönig Karl XII zieht seinen Nutzen aus dieser Disharmonie in dem er Sachsen besetzt und August schwere finanzielle Schäden zufügt, während er den neuen Polenkönig unterstützt.
Neben den politischen Verwicklungen behandelt das Buch aber auch die private Seite des Kurfürsten. Seine Maitressen stehen in Vordergrund der Geschichte, allen voran Fatima und die Gräfin von Cosel.

Was diesen Roman deutlich von anderen unterscheidet sind die vielen Handlungsstränge, die aber niemals Verwirrung beim Leser hervorrufen. Die wechselnden Personen, aus deren Perspektive der Alltag am Hof zu Dresden beschrieben wird, sind übersichtlich und greifen einander stets auf. So findet man neben Briefen in veralterter Sprache auch Einträge aus dem Kurfürstlichen Kalender, die den Roman nur authentischer machen.

Trotz veralterter Sprache gibt es keine Verständnisprobleme


Die Sprache ist leicht verständlich und der Stil der Autorin sicher und flüssig, so dass dem Leser keine unnötigen Barrieren gebaut werden. Die vereinzelt auftretenden Französischen Redewendungen erklären sich von selbst und tragen dazu bei den Glanz und den Glamour der vergangen Epoche zu neuem Leben zu erwecken.

In einem sehr ausführlichen Nachwort nimmt Sabine Weigand noch einmal Stellung zu der Geschichte und verweist sowohl auf die historischen Persönlichkeiten und deren Taten, die aus der Zeit überliefert sind. Daneben hat sie ein paar der Hauptpersonen dieses Buches frei erfunden und gekonnt in die Handlung des Buches eingesetzt.
Ebenso zeichnet sich das Buch durch sich weiterentwickelnde Hauptpersonen aus, deren Handlungen bis ins kleinste Detail absolut nachzuvollziehen sind.

- in: Rezension Historisch 461 mal gelesen

Kreuzblume - Andrea Schacht



In Zeiten der Not sind Frauen schon oft über sich selbst hinausgewachsen und haben Dinge vollbracht, die ihnen unter normalen Umständen niemand zugetraut hätte.
Nun neigen die Menschen jedoch dazu, sich möglichst nicht in Situationen zu bringen, die ihnen persönlich nur zum Nachteil gereichen.
Was aber tun, wenn ein Krieg vor der Tür steht und der Mann auszieht, seine Heimat zu verteidigen und unter Umständen niemals wieder über die heimische Schwelle treten wird?

Der lange Arm der Franzosen


Genau dieser Frage muß sich Elisabeth Dahmen im Jahr 1794 stellen, als ihr Mann den Bescheid bekommt, mit seiner Einheit das heimische Köln zu verlassen um die ferne Stadt Mainz vor den Übergriffen der Fanzosen zu schützen. Sie bringt es nicht über sich, ihren Mann alleine in eine ungewisse Zukunft zu schicken und verlegt sich auf das was sie am besten kann: Aus allen Situationen das Beste machen. So geschieht es, dass aus ihrer Tochter Antonia, die gerade mal 4 Jahre alt geworden ist, ein Junge wird, damit dem Kind im Tross des Kölner Heers, dem sie sich als Marketenderin anschließt, nichts böses geschieht und es bestmöglich geschützt sein wird…

Zur selben Zeit, ebenfalls in Köln, muß sich der junge Cornelius von der Leyen eingstehen, dass sein bisheriges Leben alles andere als von Erfolg gekrönt war. Nachdem er aus der Universität ausgeschieden ist ohne seinen Abschluß gemacht zu haben, wird er von seinem Vater verstoßen und so beschließt er, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, allerdings durch Mittel, die nur zu einem nützlich waren, ihn an den Ort zu bringen, wo er sich nun mit brennender Schulter wieder findet – am Pranger von Köln mit Blick auf die große Baustelle, wo der Kölner Dom entstehen soll…

Die Geschichte des Kölner Doms aus einer anderen Perspektive


Andrea Schacht hat sich mit diesem Roman zur Aufgabe gemacht, den Leser auf eine Reise durch die Zeit mitzunehmen, hin zu einem phantastisch Anmutenden Unternehmen, dem Bau des Kölner Doms. Dieses faszinierende Bauwerk Gotischer Kunst schlägt noch heute viele Beobachter in seinen Bann und seine Entstehungsgeschichte ist in der Tat sehr interessant.
1248 mit dem Bau begonnen, erfährt der Dom über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Neuerungen an seinem Erscheinungsbild. Um 1540 herum wird der Dombau eingestellt, erst wegen mangelndem Interesse an dem Bau, später auch weil die finanziellen Mittel einfach nicht mehr reichen. 300 Jahre lang beherrschte der Kran auf dem unvollendeten Südturm des Doms das Stadtbild Kölns.

Durch die Französische Revolution und die darauf folgenden Koalitionskriege wurden viele Reliquien und Kirchenschätze aus den größeren Klöstern und Kirchen evakuiert und an anderen Orten versteckt. Diese wertvollen Transporte, auf denen neben Reliquien und sonstigen Wertgegenständen auch Bücher gerettet werden sollten, wurden nicht selten Opfer von Räubern und Wegelagerern. So kam es, dass auch die Originalen Baupläne für die Domfassade verschwanden.

Verloren und Gefunden


Auf die verschwundnen Dombaupläne setzt Andrea Schacht das Hauptaugenmerk ihres aktuellen Romans.
Die junge Antonia stolpert auf ihren Streifzügen durch die verschiedenen Orte in denen der Tross halt macht, in einer verlassenen Köhlerhütte über Teile von diesen Kirchenschätzen ohne zu ahnen, welch einen Fund sie hier gemacht hat. Das geht ihr erst sehr viel später auf, als sie einen blinden Mönch durch Zufall kennenlernt. Und noch ahnt sie nicht, dass es neben dieser Entdeckung noch weitere dunkle Geheimnisse in ihrem jungen Leben gibt.

Es gelingt Andrea Schacht immer wieder, den gewonnen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Zum einen durch die vielen kleinen und großen Geheimnisse ihrer Protagonisten, zum anderen auch durch die Vielzahl der Figuren, die diesen Roman beleben. In kurzen Kapiteln steht immer wieder eine andere Hauptfigur im Vordergrund, bis sich nach und nach alle ihren Platz in dieser raffiniert ausgearbeiteten Geschichte gesichert haben.
Um nicht den Überblick zu verlieren, befindet sich im Anhang des Buches ein Glossar, in dem die wichtigsten Personen mit ihren Eigenschaften aufgeführt werden, was durchaus sehr hilfreich ist.

Jeder einzelne Charakter ist so vielschichtig in seiner Persönlichkeit und so natürlich in seinem Tun, dass man zu keiner Zeit die Handlungen der einzelnen Personen in Frage stellt. Nachvollziehbar und sympathisch beschreibt Andrea Schacht die Kölner Bürger, deren Schicksal und Leben mehr oder weniger direkt mit der halben Bauruine des großen gotischen Gotteshausen verwoben sind.
Und sie alle haben ihren Anteil daran, dass letzten Endes das Werk vollbracht wird, das 1248 mit der Grundsteinlegung des Kölner Doms seinen Anfang nahm.
- in: Rezension Historisch 492 mal gelesen

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