Der Spiegel der Königin - Nina Blazon
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Der Spiegel der Königin Blazon, Nina Historischer Roman, Schweden, 17. Jahrhundert Seiten: 345 Bewertung: ![]() |
Ein Spiegel ist jedem bekannt, ein Alltagsgegenstand, den die einen fürchten und die anderen verehren. Man kann ihn in die Hand nehmen oder an die Wand hängen. Ein Gewässer kann als Spiegel dienen – oder aber auch ein Mensch…
Elin kennt ihre Eltern nicht und ein richtiges zu Hause hat das junge Mädchen auch nie gehabt. Als wir Elin zum ersten Mal begegnen, treffen wir sie in der Küche des Landsitzes von Kristina von Schweden in Uppsala, wo sie als Scheuermagd beschäftigt ist. Es ist ein kalter Winter in Schweden und Elin muss Schnee in Eimern schleppen, um ihn zu schmelzen, damit die Töpfe gescheuert werden können. Auf einem dieser Gänge bekommt sie mit, wie zwei junge Herren im tiefen Schnee nach dem Medaillon einer der Hofdamen Kristinas suchen. Die Scheuermagd verfügt über einen wachen und scharfen Verstand, so dass sie beginnt zu überlegen wo das Schmuckstück verloren gehen konnte. Als dann in der Küche das Gerücht auf kommt, Emilia hätte das wertvolle Stück gestohlen, setzt Elin alles daran, ihre mütterliche Freundin zu entlasten.
Der Spiegel der Königin
Tatsächlich kann sie das Medaillon von Fräulein Ebba finden – und zieht nun den Verdacht des Diebstahls auf sich. Auf ihrer Flucht vor der Dienerschaft rennt Elin durch die Gänge des Schlosses und prallt in vollem Lauf gegen die Königin. In dem folgenden Gespräch beeindruckt Elin die Königin so sehr, dass diese beschließt, sie mit auf ihren Stammsitz nach Stockholm zu nehmen. Auf Tre Kronor beginnt für Elin nun ein ganz neues Leben. Sie lernt lesen und schreiben, wird in der Kunst der Konversation unterrichtet – und wird zum Spielball der Königin, wie Elin meint. Der ehemaligen Scheuermagd fällt es nicht leicht, sich an das höfische Leben zu gewöhnen. Die vielen Intrigen, die bei Hofe herrschen, ziehen an Elin nicht unbeachtet vorbei und sie fühlt sich immer öfter fehl am Platz. Während einer Audienz bei Kristina wird Elin klar, was sie eigentlich am Hof soll. Die Königin möchte Elin als Vertraute um sich haben, da sie meint, Elin und sie hätten viel gemeinsam, ja würden sich sogar so sehr ähneln, dass sie das Gefühl hätte, in einen Spiegel zu schauen, wenn sie Elin ansähe.
Kristina I. von Schweden, Axel Oxenstierna
und René Descartes geben sich die Ehre
Nina Blazon ist mit diesem Roman ein kleines Meisterwerk gelungen. Die Autorin bedient sich einer einfachen Sprache mit der sie den Leser in den Bann des Buches zieht. Die einzelnen Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet. Auf diese Weise erwacht nicht nur Kristina I. von Schweden wieder zum Leben, sondern auch Axel Oxenstierna und René Descartes gehören zu den historischen Personen, die eine nicht unwichtige Rolle in diesem Roman spielen. Überhaupt hat sich Frau Blazon große Mühe mit der Recherche zu diesem Roman gegeben. Das Stockholm des 17. Jahrhunderts zieht den Leser mit jeder Seite ein bisschen mehr in seinen Bann und lässt ihn nicht wieder los. Selbst die wenigen schwedischen Wörter, die sie in ihrem Werk verwendet, entpuppen sich keineswegs als Stolperstein, der den Lesefluss stört, sondern verleihen dem Roman mehr Tiefe.
Elin erlebt auf Tre Kronor an der Seite von Kristina viele Abenteuer. Sie nimmt an Banketten teil, zähmt wilde Streitrösser, lernt zu reiten wie ein Mann, übernimmt Undercoveraufträge und bestreitet schließlich das größte Abenteuer ihres Lebens: Sie verliebt sich. Mit Kristina verbindet Elin eine Freundschaft, die während ihrer zweieinhalb Jahre auf dem Schloss über alle Höhen und durch alle Tiefen führt. Die eigensinnige Königin, die maßgeblich an der Beendigung des 30jährigen Krieges beteiligt war, versucht Elin nach ihrem eigenen Bild zu formen. Sie selbst fühlt sich in der Rolle, die das Leben ihr zugedacht hat nicht wohl, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Ehe und die Liebe, und würde lieber heute als morgen abdanken und ein freies Leben führen. Von einem freien Leben träumt Elin ebenfalls, wenn sie darunter auch anderes versteht als Kristina.
Kann eine Freundschaft die Liebe überdauern?
Die Freundschaft der beiden Frauen wird auf eine harte Probe gestellt, als Elin sich ernsthaft verliebt. Mit diesem einschneidenden Erlebnis ändert sich auch etwas in der Beziehung der beiden. Was sich erst wie ein Schleier anfühlt, der sich zwischen die Frauen schiebt, wird schon bald zu einer Mauer. Und diese Tatsache lässt sich schnell nicht mehr verdrängen. Es gibt nur noch einen Ausweg, aus dieser verfahrenen Situation…
Auch wenn „Der Spiegel der Königin“ eher ein Jugendroman ist, kann man ihn ohne weiteres als Erwachsener lesen. Die vielen historischen Hintergründe machen dieses Buch zu einem wahren Erlebnis und großen Lesevergnügen.








