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Montag, 4. Juni 2007

Die Königsdame - Sabine Weigand



Nachdem meine Rezension zu diesem Buch auf der Histo - Couch erschienen ist, darf ich sie auch hier veröffentlichen.

Ein Meisterwerk unter den historischen Romanen

August der Starke hat viele Probleme, sowohl in politischer Hinsicht als auch im privaten Umfeld. Constantia von Cosel, seine Maitresse en titre, läßt sich immer öfter zu Eifersuchtsszenen hinreißen und macht dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch ihn, den Kurfürsten, lächerlich. Jedermann weiß, dass der Cosel seine ganze Zuneigung gehört, aber es liegt nicht in seiner Art, sich an eine Frau zu binden. Zu sehr lockt ihn das Abenteuer und zu groß ist die Auswahl an hübschen Mädchen und Frauen an und um seinen Hof.

Das Geschenk des Zaren


Eines Tages bringt ihm ein russischer Gesandter ein sehr delikates Geschenk an den Hof zu Dresden – eine junge Türkin, die den Kinderschuhen noch lange nicht entwachsen ist. „In kalten Nächten soll das Mädchen dem Kurfürsten das Bette wärmen“, mit diesen Worten hat der Zar sich der viel zu jungen Türkin entledigt.
August ist gleichermaßen geschmeichelt als auch enttäuscht, denn mit so einem jungen Ding kann er nichts anfangen. Daher wird das Mädchen Fatima zur Freiherrin von Hoym, der späteren Gräfin von Cosel, geschickt welcher sie als Zofe dienen soll.

Nach und nach wird aus dem stummen Mädchen eine hübsche Frau, die auch August ins Auge fällt. Während Constantia endlich mit dem ersten Kind des Kurfürsten schwanger ist, macht er Fatima, die mittlerweile getauft ist und den christlichen Namen Maria Aurora trägt, zu einer weiteren seiner Maitressen. Während die Cosel noch Gift und Galle spuckt, beginnt für Fatima ein neues Leben. Doch dieses neue Leben hat bringt nicht nur Glückliches für die junge Frau mit sich, denn durch die politischen Entwicklungen gibt es schon bald am Hofe zu Dresden eine weitere Frau, die in Augusts Augen einen hohen Stellenwert einnimmt – Gräfin von Dönhoff, eine junge Polin soll seinen politischen Status in Polen sichern und festigen. Während Fatima dieser Entwicklung offen gegenübersteht, sieht die offizielle Geliebte eine weitere Rivalin in ihrem Revier wildern. Sie greift zu drastischen Mitteln…

Frauenheld, Kunstliebhaber und Bautycoon


Mit ihrem neuen Roman ist Sabine Weigand ein wahres Meisterwerk unter den historischen Romanen gelungen. Ausführlich befasst sich dieser Roman mit dem größten deutschen Fürsten der Geschichte – Friedrich August der Starke.
Die schillernde Persönlichkeit, die dieser Mann als Kurfürst von Dresden und König von Polen in sich vereinte, wird mit jeder gelesenen Zeile greifbarer. Er liebte es, sich mit schönen Dingen zu umgeben, schmückte sich mit hübschen Frauen wie mit einem Schmuckstück und baute seine Residenzstadt Dresden zu einer der schönsten Städte Deutschland aus. Immer wieder befällt ihn der „Bauwurm“ der ihn ständig dazu treibt, noch größere Bauten in Auftrag zu geben oder noch prunkvollere Gärten und Parks zu erschaffen. Neben alle dem liebt er die Kunst und so gelingt es ihm, eine der größten Pretiosensammlung der Welt zu erschaffen.

Historisch korrekt recherchiert bietet dieser Roman Lesegenuss pur – und zwar von der erste bis zur letzten Seite. Ohne Längen berichtet er von politischen Verwicklungen Sachsens in den Nordischen Krieg, der für August zusehends von Misserfolgen gekrönt wird. Die Polen wollen ihn nicht als ihren König behalten und auch der Schwedenkönig Karl XII zieht seinen Nutzen aus dieser Disharmonie in dem er Sachsen besetzt und August schwere finanzielle Schäden zufügt, während er den neuen Polenkönig unterstützt.
Neben den politischen Verwicklungen behandelt das Buch aber auch die private Seite des Kurfürsten. Seine Maitressen stehen in Vordergrund der Geschichte, allen voran Fatima und die Gräfin von Cosel.

Was diesen Roman deutlich von anderen unterscheidet sind die vielen Handlungsstränge, die aber niemals Verwirrung beim Leser hervorrufen. Die wechselnden Personen, aus deren Perspektive der Alltag am Hof zu Dresden beschrieben wird, sind übersichtlich und greifen einander stets auf. So findet man neben Briefen in veralterter Sprache auch Einträge aus dem Kurfürstlichen Kalender, die den Roman nur authentischer machen.

Trotz veralterter Sprache gibt es keine Verständnisprobleme


Die Sprache ist leicht verständlich und der Stil der Autorin sicher und flüssig, so dass dem Leser keine unnötigen Barrieren gebaut werden. Die vereinzelt auftretenden Französischen Redewendungen erklären sich von selbst und tragen dazu bei den Glanz und den Glamour der vergangen Epoche zu neuem Leben zu erwecken.

In einem sehr ausführlichen Nachwort nimmt Sabine Weigand noch einmal Stellung zu der Geschichte und verweist sowohl auf die historischen Persönlichkeiten und deren Taten, die aus der Zeit überliefert sind. Daneben hat sie ein paar der Hauptpersonen dieses Buches frei erfunden und gekonnt in die Handlung des Buches eingesetzt.
Ebenso zeichnet sich das Buch durch sich weiterentwickelnde Hauptpersonen aus, deren Handlungen bis ins kleinste Detail absolut nachzuvollziehen sind.

- in: Rezension Historisch 461 mal gelesen
Sunsy - 7. Jun, 22:03

Eine tolle Rezi, Vanessa

ich lese immer gern Rezensionen von dir - irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich da noch lernen kann ;) - und die Geschichte interessiert mich... wenn ich irgendwann mal meinen SuB verkleinert haben werde (seufz), werde ich mir dieses Buch bestimmt holen :) - und das aufgrund deiner Rezension ;)

glg, Sunsy

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