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Freitag, 14. September 2007

Im Land der weißen Wolke - Sarah Lark



Bastei Lübbe (Lübbe Verlagsgruppe), TB, ET: 08/2007, 813 Seiten, ISBN: 9783404157136


Es war noch nie einfach, als Frau den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Im 19. Jahrhundert war es sogar noch um einiges prekärer als heute. Moral und Anstand mussten gewahrt bleiben und dabei sollte auch noch die best mögliche Partie für die Töchter der damaligen Zeit gefunden werden; innerhalb des Klassendenkens nicht immer ganz einfach…

Zwei Frauen auf dem Weg in ein neues Leben

Gwyneira, Tochter aus altem englischen Landadel, ist aufgeweckt und lebhaft, um nicht zu sagen stur und eigenwillig. Zwei Eigenschaften, die sie nicht zur ersten Wahl unter den jungen Männern im heiratsfähigen Alter unter den Aristokraten macht. Einen Ehemann für sie zu finden entpuppt sich als äußerst langwierige und schwierige Angelegenheit für ihren Vater. Dass er dennoch einen Mann für sie findet geschieht eher unbeabsichtigt und kommt für ihren Vater selbst sehr überraschend. Das dieser dann auch noch in Neuseeland zu finden ist und somit eigentlich ein fremder für die gesamte Familie, macht eher Gwyneiras Verwandten zu schaffen als ihr. Sie sieht in dieser Verbindung die Möglichkeit, dem tristen Leben einer adligen Dame im noch tristeren England zu entfliehen und gibt sich ganz ihren Träumen vom Pionierleben hin, an der Seite eines stattlichen „Schaf-Barons“.

Helen, Gouvernante in einem vornehmen englischen Haus, stolpert eines Tages über eine Kontaktanzeige im Ortsansässigen Kirchenblättchen. Gouvernanten zeichnen sich dadurch aus, dass sie über pädagogisches Geschick verfügen und tunlichst allein stehend sind. Meistens sind Gouvernanten daher Witwen oder junge Frauen, die sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen und keine Chance auf eine Heirat und damit eine eigene Familie sehen. Helen jedoch träumt von eigenen Kindern, einem geordneten Haushalt und einem Ehemann. All dieses verspricht ihr die Kontaktanzeige; und die Briefe des Mannes vom anderen Ende der Welt, die auf ihre Antwort folgen, sind viel versprechend.

So kommt es, dass sich Gwyniera und Helen auf der Wochenlangen Überfahrt nach Neuseeland kennen lernen und eine innige Freundschaft zwischen ihnen entsteht, die es England sicherlich nie gegeben hätte.
Wie wichtig ihre Freundschaft für die beiden noch werden wird, können sie nicht ahnen, als sie endlich Neuseeländischen Boden betreten. Es ist als wären beide Frauen im falschen Leben gelandet. Gwyneiras Ehemann entpuppt sich als Schöngeist und hält wenig vom Landleben und der Viehzucht und ist soweit vom Pioniergeist entfernt wie die Sonne vom Mond; Helens Mann hingegen hätte nichts dagegen, wenn seine Frau ein bisschen mehr Pioniergeist mitbrächte und dafür weniger Oberlehrerinnen mäßig daher käme.

Familiengeschichten

Im Land der weißen Wolke vereint in sich sowohl eine Geschichte über die ersten Siedler Neuseelands als auch den Beginn einer sehr unterhaltsamen Familien – Saga. Sarah Lark hat ihren Debütroman zwar einen historischen Rahmen verliehen, doch bleiben die historischen Aspekte eher im Hintergrund. Im Vordergrund stehen die beiden Familien, in die Gwyneira und Helen einheiraten und die schon seit Jahren miteinander verfeindet sind. Ein Umstand, der allerdings die beiden jungen Frauen nicht daran hindert, auch weiterhin befreundet zu bleiben und ihre Freundschaft sogar noch zu vertiefen.

Dennoch bleibt die Geschichte nicht ganz unbeachtet. Sarah Lark lässt es sich nicht nehmen den Leser mit in die Randbereiche des Siedlertums zu nehmen und ihm auch die Kehrseite der Medaille zu zeigen. Robben- und Walfangschiffe sind die abscheulichsten Stationen der Siedlerleiter. Dagegen haben es die Goldsucher zwar nicht unbedingt sauberer, dafür aber oftmals bequemer. Außerdem haben sie den Vorteil, dass sich rund um die Goldsucher oftmals kleinere Städte auftun, die einigermaßen blühen und gedeihen.

Nicht vergessen werden auch die Ureinwohner Neuseelands, die Maori. Auch hier gibt es für den Leser einiges zu entdecken, denn sowohl ihre Kultur als auch ihre Küche werden in das Geschehen des Buches aufgenommen. Wertungsfrei und gekonnt werden die Stämme in das Geschehen aufgenommen und bieten dem Leser so den Raum, sich selbst ein Bild von ihnen machen zu können.

Trotzdem lebt der Roman - und mit ihm die Familien von Gwyneira und Helen - von der Viehzucht. Der Leser bekommt einen guten Einblick in das Farmerleben, sowohl auf einem gut laufenden Anwesen, nicht ungleich denen, die es in England zu finden gibt, als auch auf einer kleineren Farm, wo das Tagewerk noch schwerer zu bestellen ist, als ohnehin schon. Zum Farmleben gehört auch die Zucht und gerade Gwyneira geht ganz darin auf, ihre Hunde und Pferde zu guten Arbeitstieren auszubilden. Eine Arbeit, die ihr in ihrer Heimat strikt untersagt geblieben wäre.

Landschaftlich sehr reizvoll und voller Atmosphäre bleibt „Im Land der weißen Wolke“ von der ersten bis zur letzten Seite. Man muss mit den beiden jungen Frauen aus England einfach mitfiebern, mitleiden und Anteil nehmen an ihrem nicht immer einfachen Leben. Wenn man jetzt meint, man hätte es mit einem Frieden – Freude – Eierkuchen – Roman zu tun, der irrt. Sarah Lark scheut sich nicht davor, auch die schlechten Seiten der Menschen zu beschreiben und so kratzt sie mit diesem Buch keines Wegs nur an der Oberfläche. Liebe und Freundschaft aber auch Hass und Gewalt finden auf guten 800 Seiten jeweils einen Platz für sich und machen dadurch dieses Buch zu dem was es ist.

Ein wenig stören könnten allerdings die Zeitsprünge. Wie im Zeitraffer fliegen schon mal die Wochen und Monate an dem Leser vorbei und ehe man es sich versieht, geht die Familien – Saga in die zweite Generation. Trotzdem hat der Leser aber nicht das Gefühl „außen vor“ zu bleiben. Gekonnt bindet die Autorin die Zeitsprünge in die Handlung mit ein und bleibt so immer nah an ihren Protagonisten.
Obwohl alle Figuren in diesem Roman ihre Ecken und Kanten haben und somit sehr menschlich sind, fehlt es doch hin und wieder an einer gewissen Tiefe. So bleibt Helen dem Leser ein bisschen fremd und man bekommt den Eindruck, sie würde ein wenig Stiefkindlich behandelt. So bleibt sie leider immer ein wenig im Schatten von Gwyneira stehen.

Dennoch bietet dieser Roman Lesegenuss pur. Und die Fortsetzungen der Familien – Saga wird sicherlich dem Erstling in nichts nachstehen.
- in: Rezension Historisch 1017 mal gelesen
Lari (Gast) - 15. Sep, 09:14

Die Beschreibung hört sich wirklich gut an.
Ich glaube das Buch werde ich mir auch
mal kaufen.
Danke für den Tip :-)

Liebe Grüße
Lari

Lari (Gast) - 16. Sep, 22:36

Sisi

Ich hab kein Gästebuch gefunden, deswegen poste ich es hier: Wenn du genau so ein Sisi Fan bist wie ich, ist das vielleicht auch interessant für dich: Igor von Percha "Christina Maria".
Sehr schön und spannend geschriebene Bücher.

Liebe Grüße
Lari

Cybermami (Gast) - 27. Okt, 15:38

Im Land der ...

Das scheint mir doch mal wieder eine lesenswerte neue Reihe zu sein. Danke für den Tipp.

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