Nachtjagd. Black Dagger 1 - J. R. Ward

Vampire erscheinen in letzter Zeit überall auf der Welt auf der Bildfläche. In Transylvaninen sowieso und neuerdings auch vermehrt in den USA, ob es nun am Höllenschlund in Sunnydale, Kalifornien, ist oder in Forks, Washington, oder in Caldwell, New York.
Diese modernen Vampire kann man nur noch schlecht mit Dracula und Co vergleichen. Seit diesen Urvätern der Vampire hat sich die Spezies immer weiter entwickelt und gerade in der Black Dagger Serie von J. R. Ward lernt der Leser eine ganz neue Art Vampir kennen.
Vampire als Beschützer
In Caldwell, NY, haben die Vampire weit mehr zu tun, als sich nur die leckersten Menschen aus der Bevölkerung auszusuchen um ihren Hunger an ihnen zu stillen. Sie müssen sich verteidigen, denn die Lesser, ihres Zeichens menschliche Vampirjäger ohne Seele, setzen ihnen arg zu. Und ganz nebenbei bemerkt taugen die herkömmlichen Menschen auch kaum dazu, den Blutdurst eines Vampirs zu stillen. Dieses vampirische Verhalten ist ganz eindeutig ein Ammenmärchen und gehört eigentlich ausgemerzt – wie so viele weitere Ammenmärchen im Bezug auf die Spezies Vampir ebenfalls. Im Grunde sind Vampire eine Minderheit, die sich jetzt selbst schützen muß indem sich die besten ihrer Krieger zu einer Bruderschaft zusammen schließen: Den Black Dagger.
Der Bruderschaft steht der höchste Vampir vor, nämlich Wrath. Wrath ist nicht nur der Anführer der Black Dagger sondern auch der König der Vampire. Er ist der einzige, der noch reines Vampirblut in seinen Adern führt und dadurch zum mächstigsten Vampir überhaupt wird. Wrath und seine Brüder haben es sich also zur Aufgabe gemacht, sich und die anderen Vampire vor den Lessern zu schützen, ebenso wie sie sich vor den Menschen zu schützen suchen. Doch das gelingt nicht immer und ab und an kommt es sogar vor, dass sich ein Vampir in einen Menschen verliebt. Wenn aus einer solchen Mischpartnerschaft dann auch noch ein Kind entsteht, stehen die Chancen für das kleine Wesen gut, auf der Welt nicht lange zu überleben. Zu groß sind die Unterschiede zwischen Mensch und Vampir. Dennoch gibt es immer mal wieder stärkere Kinder, die trotz aller Unbill das erwachsenen Alter erreichen. Und dann wird es kritisch. Denn Vampire werden zwei Mal geboren, einmal als Baby und einmal im Alter von ungefähr 25 Jahren. Dann nämlich übernimmt der Vampir im Menschen die Kontrolle und der bislang recht normale Mensch wird durch die sogenannte Transition zum Vampir…
Der Vampirmythos bekommt ein neues Gewand
J. R. Ward ist in Amerika bekannt als Autorin von Liebesromanen. In ihrer Black Dagger Reihe vermischt sie Fantasy- und Mysteryelemente mit denen eines Liebesroman und würzt das Ganze mit einer Portion Kriminalroman. Was aus dieser ungewöhnlich anmutenden Mischung entsteht, kennt man im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Fantasy Romance“. Ein Genre, das sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut.
Die Black Dagger sind die stärksten der letzten Vampire, die noch auf der Erde leben. Und ihr Überleben hängt nicht unmaßgeblich von den Erfolgen der Bruderschaft ab, die sie gegen ihre – im wahrsten Sinne des Wortes – Todfeinde, die Lesser, zu verbuchen haben.
J. R. Ward hat sich aber für ihre Vampire noch ein bisschen mehr ausgedacht, als nur den bösen Gegenspieler. Sie hat der Gemeinschaft der Vampire – aller Vampire und nicht nur den Anhängern der Black Dagger – eine neue Strukturierung gegeben und die Blutsauger damit quasi Salonfähig gemacht. Sowohl Wrath als auch alle Vampire, die einem im Verlauf der Geschichte über den Weg laufen, haben extrem menschliche Charakterzüge und Vorstellungen von all dessen, was sie tun. Sie gründen Familien, bilden Lebensgemeinschaften und passen gegenseitig auf einander auf. Das alles sind ganz neue Seiten am Mythos des Vampirs.
Neben all diesen menschlichen Aspekten des Buches fehlt es aber auch nicht an Fantasyelementen. Um all die Neuerungen rund um die Spezies Vampir verstehen zu können, findet sich vorne im Buch ein sehr ausführliches Glossar, das den Einstieg in diese etwas andere Vampirgeschichte bildet.
Was den modernen Vampiren allerdings erhalten geblieben ist, ist ihre erotische Ausstrahlung und ihr verführerisches Wesen. So kommt es im Verlauf der Geschichte immer mal wieder zu erotischen Szenen, die zwar nicht den Lesefluss des Buches hemmen oder den Verlauf der zu erzählenden Geschichte unnötig aufhalten, die aber auch nicht maßgeblich für den Inhalt der Gesichte sind. Sie sind einzig und allein wohl ein Zugeständnis an das romantische Genre und unterstreichen höchstens noch den Charakter der Vampire.
Die Figuren in dem Buch sind nicht übermäßig ausgeprägt gezeichnet, und bleiben zumeist eher Oberflächlich. Die wahren Charakterzüge der einzelnen Persönlichkeiten kann man nur schwer erkennen, da dem Leser wenig Möglichkeiten gegeben werden, sich intensiver mit einer Figur und ihrer Gefühlswelt zu beschäftigen; alle Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten, bleiben einem aber doch fremd. Das ist schade, denn Potential wäre alle Male vorhanden.
Was weiterhin störend wirken kann, ist dass der Verlag aus einem Band im englischen zwei deutschsprachige Bände gemacht hat. Dadurch findet der erste Band ein sehr abruptes Ende und lässt den Leser einigermaßen frustriert zurück. Empfehlenswert wäre es also, sich immer gleich zwei Bände der Serie zuzulegen, damit beim lesen nicht das Gefühl entsteht, um ein ordentliches Ende der Story betrogen worden zu sein.

Tintagel - 21. Sep, 16:40
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