Tante Dimity und das geheimnisvolle Erbe - Nancy Atherton

Lori Shepard fühlt sich vom Leben gebeutelt. Die von ihrer Mutter allein großgezogene Halbwaise, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und bemüht sich gerade, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen, als auch ihre Mutter verstirbt. Durch diesen Schicksalsschlag scheint Lori plötzlich so gar keine Perspektive mehr zu haben. Da kommt ihr das Schreiben einer Anwaltskanzlei ungefähr so gelegen wie Fußpilz.
Mit einem mulmigen Gefühl und den bösesten Vorahnungen bewaffnet, begibt sich Lori zu ihrem Termin in die Anwaltskanzlei und erlebt eine Überraschung. Tante Dimity, die stets gut gelaunte Dame, die ihr jeden Abend das Einschlafen zu Kinderzeiten versüßt hat, ist gestorben und möchte nun, dass Lori ihr einen letzten Wunsch erfüllt. Einigermaßen geschockt ob der Tatsache, dass die Heldin ihrer Kindheit und fälschlicherweise als Märchenfigur abgestempelte Dame tatsächlich gelebt hat, macht Lori sich daran, Tante Dimity ihren letzten Wunsch zu erfüllen.
So begibt sie sich – gemeinsam mit dem Sohn ihres Anwalts – nach England in Dimitys Cottage, um ihrer Aufgabe nach zu kommen. In Dimitys Cottage schließlich lernt Lori nicht nur vieles über ihre neue alte, wenn auch leider verstorbene, Freundin; sondern auch über ihre Mutter und über sich selbst.
Es ist schwer, die Tante Dimity Bücher in ein Genre einzuordnen. Zwar werden sie häufig unter Krimi einsortiert, aber wer hier blutige Morde, verstümmelte Leichen und mehr oder weniger perfekt geplante Verbrechen vermutet, ist auf dem Holzweg. In diesem Band geht es ausschließlich darum, das Geheimnis um Tante Dimity zu lüften und zu verstehen, wer diese liebenswürdige und vollkommen selbstlose Frau war, die sich so gar nicht mit ihrem Tod abfinden kann und noch aus dem Jenseits die Zügel mit geschickter Hand führt.
Nancy Atherton verknüpft hier auf verblüffende Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit. Nichts weltbewegendes, so etwas ist schon tausendmal da gewesen, wird sich an dieser Stelle wohl der eine oder andere sagen. Aber weit gefehlt! Lori muß sich auf eine Reise in die Zeit des Zweiten Weltkriegs begeben, in die Zeit, in der sich ihre Mutter und Dimity kennen gelernt haben. Mit Hilfe von unzähligen Briefen, die sich die Freundinnen im laufe ihres Lebens geschrieben haben, kommt Lori dem Geheimnis um Dimity und der Geschichten ihrer Kindheit immer näher.
Ihre Figuren hat Nancy Atherton gekonnt in Szene gesetzt und lässt sie im Verlauf der Geschichte immer klarer werden. Sie bestehen dadurch, dass sie alle Ecken und Kanten haben, Wünsche und Hoffnungen, die sich nicht immer erfüllen. Sie müssen Schicksalsschläge bewältigen und an den Folgen ihres Handelns wachsen. Doch das schaffen sie in einer so wunderbar entspannenden Atmosphäre, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen und auch nur einen Moment lang über etwas anders nach zu denken.
Wenn Lori letzten Endes das Geheimnis um Tante Dimity löst, wird sie nicht nur die Vergangenheit besser verstehen, sondern auch mit ganz neuen Augen in ihre Zukunft blicken.
Tintagel - 6. Mrz, 21:40
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Sunsy