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Montag, 10. März 2008

Die Markgräfin - Sabine Weigand


Die Markgräfin
Weigand, Sabine
Historischer Roman
Seiten: 477
Bewertung:


Barbara wird schon als junges Mädchen aus politischen Gründen an einen sehr viel älteren Mann, den Herzog von Groß Glogau und Crossen, verheiratet. Sie ist sich ihrer Stellung bewusst, und auch wenn es dem Mädchen schwer fällt, die Heimat zu verlassen und zu einem ihr vollkommen fremden Mann zu reisen, so tut sie es doch. Jahrelang – ihr gesamtes bisheriges Leben – ist sie auf diesen Tag vorbereitet worden und nun muß sie tun, was ihre Eltern, ihr Land und nicht zu letzt ihr zukünftiger Ehemann von ihr Verlangen.

Zwei Jahre später kehrt sie als Witwe an den Hof ihrer Eltern zurück. Ihr Ehemann ist tot, doch hat er sie gut versorgt und ihr das gesamte Herzogtum vermacht. Damit wird sie nur interessanter, in den Augen ihrer Familie wertvoller, denn sie bringt nicht nur eine große Mitgift in eine mögliche neue Verbindung mit, sondern auch noch ihre Jungfräulichkeit, da die Ehe mit dem Herzog von Groß Glogau niemals vollzogen wurde.

Der König von Böhmen meldet Interesse an – und ein weiteres Mal tut das junge Mädchen, was von ihm verlangt wird. Sie heiratet per procurationem, also durch einen Stellvertreter, Vladislav II. von Böhmen und wartet geduldig auf ihre Heimführung. Dieses zieht sich, denn zu erst stellen sich dem König politische Probleme, die einen Krieg unumgänglich machen, und später wird Barbara schlicht unattraktiv für ihn. Letzten Endes interessiert ihn nur noch eines an Barbara, eine möglichst schnelle Scheidung, denn ihre Mitgift hat er schon längst an Ungarn abgetreten. Er ersucht um eine Dispens beim Papst und auch Barbara würde eine Scheidung herzlich Willkommen heißen.

Die nunmehr mittelose, nicht mehr junge Frau, wird ihren inzwischen regierenden Brüdern unbequem. Denn zu allem Übel hat Barbara sehr wohl ihren eigenen Kopf, möchte unabhängig von ihrer Familie leben und vielleicht sogar einmal eine eigene Familie haben – auch wenn sie dafür unter ihrem Stand heiraten müsste. So kommt es, dass ihr Bruder Albrecht sie auf die Plassenburg bringen lässt, wo er sie gefangen hält.

An diesem Punkt enden die wenigen Überlieferungen zu Barbara von Ansbach, Märkgräfin von Brandenburg. Was genau ihr auf der Plassenburg in der Gefangenschaft widerfahren ist, ist ungewiss. Und an dieser Stelle kommt Sabine Weigand ins Spiel.

Sie beschreibt im ersten Teil ihres Buches das Leben von Barbara, wie es überliefert wurde und lässt ihrer Phantasie ab der Gefangennahme der Markgräfin weitestgehend freien lauf. Doch nicht alleine um das Leben der interessanten historischen Persönlichkeit geht es in dem Debütroman der Autorin, sondern auch um die Plassenburg, die sich über der Stadt Kulmbach erhebt. Neben einer interessanten historischen Vergangenheit bietet sie auch genug Potenzial um einen zweiten Plot in den Roman einzubauen, der in der Gegenwart spielt.

Im zweiten Plot versucht ein Kastellan der Gegenwart, einen Kindstod aus der Vergangenheit aufzulösen. Ihm zur Seite stehen drei Freunde, die sich selbst als die „Forschenden Vier“ bezeichnen und nach und nach in die Geschichte der Plassenburg abtauchen, auf der Suche nach der Mutter des toten Kindes und einem Hinweis darauf, wie es ums Leben gekommen ist.

Was sich zuerst als einigermaßen Verwirrend ausnehmen kann, wird aber mit der Zeit immer spannender und interessanter. Durch die Zeitsprünge entstehen kaum Längen in der zu erzählenden Geschichte, denn die Protagonisten helfen sich quasi gegenseitig. So kommt der Leser nach und nach hinter das Geheimnis, welches die Plassenburg so viele Jahre lang geborgen hat.

Was negativ auffallen kann, ist die Tatsache, dass die Autorin die Geschichte der Barbara von Brandenburg quasi um 50 Jahre in die Zukunft versetzt hat. Albrecht war gar nicht ihr Bruder sondern ihr Großneffe. Durch das versetzen der Zeit werden auch die Daten anderer historischer Persönlichkeiten in Mitleidenschaft gezogen, was immer mal wieder zu Verwirrungen führen kann, wenn man Barbaras Leben parallel zum Buch auf eigene Faust recherchieren möchte. In einem sehr ausführlichen Nachwort erklärt Sabine Weigand aber selbst, wieso sie diesen Weg gewählt hat.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, ihre Beweggründe für gewöhnlich nachvollziehbar und somit absolut glaubwürdig. Sicherlich muß man sich den krassen Gegensatz zur heutigen Zeit und dem 16. Jahrhundert vor Augen führen, um auch Barbara verstehen zu können, die für ihre Zeit fast schon utopische Vorstellung ihr Leben betreffend hatte. Daher fällt es dem Leser an der einen oder anderen Stelle schwer, sich mit ihrem Handeln zu identifizieren. Oftmals bleibt nur ein Kopfschütteln für eine Frau, die gegen sämtliche Konventionen ihrer Zeit wieder und wieder aufbegehrt.

Aufgelockert und zugleich authentischer wird die Geschichte durch zeitgenössische Briefe und Auflistungen, die die Autorin in die Handlung mit einfließen lässt.
Was das Buch allerdings vermissen lässt, ist ganz klar ein Glossar. Zu Beginn weniger, zum Ende hin dafür umso mehr. Bei so vielen altertümlichen Ausdrücken reicht irgendwann das laienhafte Wissen, das sich manch ein Leser im Laufe der Zeit angeeignet hat, leider nicht mehr aus.

Abgesehen davon hat Sabine Weigand ein Werk geschaffen, das absolut lesenswert ist.


- in: Rezension Historisch 618 mal gelesen
Sunsy - 10. Mrz, 12:11

Deine Rezi liest sich sehr gut :) -wenn ich irgendwann mal wieder dazu komme, meinen SuB um einiges zu verringern, könnte dieses durchaus noch Einzug halten *lach*

glg, Sunsy

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