[>>]

Montag, 11. August 2008

[Rezension] Katharina - Nina Blazon


Katharina
Blazon, Nina
Historischer Roman,
Russland, 18. Jahrhundert
Seiten: 441
Bewertung:

Romane über historische Persönlichkeiten zu schreiben, ist nicht einfach. Der Leser erwartet nicht nur historisch korrekte Hintergründe zu der geschilderten Person, sondern auch zu der geschilderten Zeit. Zudem soll ein solcher Roman unterhalten, Fakten näher bringen und nicht nur trockene Details aus Geschichtsbüchern wieder spiegeln. Gerade bei Jugendbüchern kann das schnell mal fehlschlagen.

Nicht so hier. Nina Blazon nimmt die Leser mit ins 18. Jahrhundert an den Zarenhof in Sankt Petersburg. Zarin Elisabeth regiert das Land mit strenger Hand, unterhält ihre geheime Kanzlei und schickt regelmäßig Menschen nach Sibirien in Straflager, die das eine oder andere Verbrechen begangen haben. Unter ihrer Fuchtel leiden nicht nur ihre Untertanen sondern der gesamte Zarenhof, inklusive des Großfürstenpaares Peter und Katharina.

Während Peter noch einigermaßen frei ist in seinen Entscheidungen, geht es seiner Ehefrau schlechter. Obwohl sie sich bemüht, ihre deutsche Abstammung abzulegen und sich ganz als Russin in Russland zu integrieren, wird sie von der Zarin unterdrückt wo es nur geht. Als Elisabeth den Thronfolger Paul sofort nach seiner Geburt seiner Mutter Katharina entzieht, ist es auch bald mit deren Duldsamkeit vorbei. Abgeschoben und abgeschottet in einer kalten Kammer bleibt die Wöchnerin nach einer schweren Geburt ohne ihr Kind zurück. Nur einem Zufall und der Fürsorge der hölzernen Gräfin Valentina Swarowa ist es zu verdanken, dass Katharina nicht unter den Folgen der lieblosen Behandlung der Zarin zu arg leiden muss. Als Elisabeth jedoch ein paar Wochen später die junge Großfürstin ein weiteres Mal schwer vor den Kopf stößt, ist es mit Katharinas Geduld endgültig zu Ende. Gemeinsam mit Valentina, die ihre geheime Vertraute geworden ist, bläst sie zum Gegenangriff.

Auch wenn dieser Roman die junge Großfürstin Katharina auf ihrem Weg zur Machtübernahme begleitet, wird ihre Geschichte doch mehr aus ihrem Umfeld heraus erzählt. Wie auch schon in dem Roman Der Spiegel der Königin lässt die Autorin ihre Hauptperson ein bisschen in den Hintergrund treten. Dafür bekommen Figuren eine Stimme, die sonst eher zum gemeinen Fußvolk der Herrscher gehören. Hier sind es Hofdamen, Soldaten und Leibeigene, die ihre eigenen Geschichten erzählen, die oftmals sehr eng mit Katharinas verbunden sind.

Was war also das Besondere an Katharina?
Katharina fasziniert dadurch, dass der Leser ein Gespür für die junge Großfürstin bekommt, die oftmals unterschätzt wird und doch auf ihre ganz eigene Art überaus sympathisch ist. Von der Schwiegermutter unterdrückt, von dem Ehemann missachtet – das ist die traurige Wahrheit, der sich Jekaterina Alexejewna stellen muss. Während andere Frauen zu ihrer Zeit sich vielleicht auf die eine oder andere Weise mit diesem Schicksal abgefunden hätten, kämpft Katharina um ihre Stellung, um ihr Volk und auch um ihr Glück. Sie nimmt für sich die gleichen Rechte im geheimen in Anspruch, wie ihr Gemahl auch, obwohl es für sie um einiges Gefährlicher war, einen Liebhaber zu haben, als es für Peter mit einer Geliebten je hätte werden können.

Eine Karte wäre noch schön gewesen, anhand derer sich der Leser ein Bild davon hätte machen können, auf welchen Wegen die einzelnen Figuren ihren Weg nach Sankt Petersburg hinein bzw. herausgefunden haben. Es ist zwar nicht tragisch, dass es diese Karte nicht gibt, doch hätte sie vielleicht ein paar Fragen klären können.

In einem ausführlichen Nachwort fügt Nina Blazon noch ein paar Erklärungen hinzu, sowohl über die historische Korrektheit ihres Werkes, wie auch ein paar Informationen zu den Figuren, egal ob historisch belegt oder frei erfunden.
Es steht außer Frage, dass dieses Buch für Jugendliche geschrieben wurde. Dennoch werden auch Erwachsene ihren Spaß beim lesen dieses Buches haben, bietet es doch die Möglichkeit, Katharina die Große aus einem eher ungewöhnlichen Blickwinkel zu betrachten.


- in: Rezension Historisch 356 mal gelesen
Sunsy (Gast) - 12. Aug, 07:22

Vanessa, hab Dank für diese fantastische Rezension. Du hast so anschaulich und begeistert geschildert, dass ich dieses Buch wohl auch lesen möchte, und das, obwohl ich bereits ein Buch über Katharina, die Große kenne.
Ganz liebe Dienstagsgrüße sendet dir Sunsy

Tiefblau - 12. Aug, 21:55

Link

Hallo Tintagel =D
Ich wollte vermelden, dass ich deinen Blog verlinkt habe, solltest du das nicht wollen, dann gib mir Bescheid und ich entferne ihn sofort.

http://tiefblau.twoday.net/

Tintagel

Rund ums Buch

Archiv

August 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
26
27
28
29
30
31
 

Mein SuB


Aktuelles Buch


Jeaniene Frost
Blutrote Küsse: Roman


Greg Iles
Leises Gift


Margaret George
Ich, Heinrich VIII

Davor habe ich gelesen




Aktuelle Beiträge

Ich wollte nur eine Blogroll
Aber manche Wünsche lassen sich leider nicht...
Tintagel - 13. Jul, 08:41
Ich bin gespannt...
... auf Deine Erfahungen... Ob sich das für mich...
Dante Milano - 10. Jul, 12:53
Hab mich entschieden...
ich blogge jetzt auch bei Wordpress: Tintagel bein...
Tintagel - 9. Jul, 19:14
Wordpress
Ich habe dann also die letzten Tage damit verbracht,...
Tintagel - 9. Jul, 19:12

Status

Online seit 1005 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 13. Jul, 08:41

Suche

 

Counter

Tintagel ist Partner von