[Rezension] Morgenrot - Tanja Heitmann
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Seiten: 480 Verlag: Heyne Ausgabe: Hardcover Preis: 17,95€ ISBN: 978-3453266056 ET: 10.2008 Bewertung: ![]() |
Leas Professor für Literatur hat es sich zur Gewohnheit gemacht, seine besten Studenten hin und wieder zu einem kleinen Diskussionszirkel zu sich nach Hause zu laden. Trotz einiger sprachlicher Barrieren, auf die Lea immer wieder in ihrem Auslandssemester stößt, gehört sie zu den Auserwählten für diesen Kreis. Im Haus des Professors begegnet sie Adam zum ersten Mal. Auf Anhieb ist sie von dem jungen Mann fasziniert. Er verfügt nicht nur über einen großartigen Charme, sondern scheint gerade in der Literatur und den musikalischen Künsten überaus bewandert. Doch er ist auch ein stiller Zeitgenosse, der sich nur gelegentlich mal zu einer Äußerung herablässt und die meiste Zeit des Abends – ebenso wie Lea – lieber die anderen sprechen lässt. Doch schon ein oder zwei Sätze von Adam reichen aus, um Leas bisheriges Leben auf den Kopf zu stellen. Plötzlich scheint sich ihre ganze Welt nur noch um den smarten Adam zu drehen…
Der Klappentext zu diesem Buch verspricht ein Lesevergnügen, das ähnlich groß sein soll, wie bei den Büchern der Bis(s)… - Reihe von Stephenie Meyer. Große Worte. Dementsprechend hoch ist natürlich auch die Erwartungshaltung mit der der Leser sich an dieses Buch macht.
Morgenrot ist der Auftakt zu einer weiteren Serie, welche sich um die Liebe zwischen einem Vampir und einer sterblichen drehen soll. Viel versprechend. Zumindest dann, wenn man dem Zauber der Vampire haltlos verfallen ist.
Tanja Heitmann bemüht sich in ihrem Erstling um eine ruhige, flüssige und leichtverständliche Sprache. Leider schafft sie es dabei nicht so recht, das Kopfkino ihrer Leser anzukurbeln. Zwar schafft sie es durchaus, die eine oder andere Begebenheit sehr farbenprächtig zu schildern, den einen oder anderen Handlungsort so detailliert zu beschreiben, dass man sich mühelos an diese Stelle denken kann, aber es fehlt das gewisse Etwas.
Der Aufbau der Geschichte ist verwirrend. Der Leser begegnet Lea als erstes in der Gegenwart, wo sie mit einer Freundin einen Kneipenbummel macht, während dem sie auf Adam treffen und es klar wird, dass Adam und Lea sich kennen, aber Lea keinen größeren Wert auf eine Erneuerung der Bekanntschaft legt. Im nächsten Kapitel erlebt man Lea als Studentin, die ganz offensichtlich ein Auslandssemester absolviert. Leider wird aber nicht klar, in welchem Land Lea sich befindet. Zwar wird die Landschaft ein bisschen beschrieben und Anhand der Namen der Figuren, die man kennen lernt, könnte man die möglichen Länder auch in ihrer Anzahl einschränken, aber Gewissheit bekommt der Leser nicht. Ebenso bleibt die Frage offen, wie Lea es geschafft hat, an dieses Auslandssemester zu kommen. Man sollte ja meinen, das Austauschstudenten wenigstens soviel von der Landessprache verstehen sollte, dass sie ohne größere Probleme den Vorlesungen folgen können – aber tatsächlich muss sich unsere Heldin auf ein Essen in einem Restaurant mit dem Wörterbuch vorbereiten… Diese und einige weitere Ungereimtheiten stören schon ein wenig den Spaß am lesen.
Sicherlich sind ein paar recht interessante Figuren in dem Buch vertreten, aber leider haben sie keine Möglichkeit, den Leser zu erreichen. Sie bleiben Facetten- und Farblos und auch wenn sie direkt im Vordergrund agieren, sind sie nicht dazu angetan, den Leser lange zu beschäftigen. Es ist noch nicht mal, dass sie keine Ecken und Kanten hätten, wie es so schön heißt. Sie sind einfach langweilig. Ihre Handlungsweise kann man zwar in der Regel nachvollziehen, aber auch das reißt das Buch letzten Endes nicht mehr aus dem Sumpf der Bücher, die man zwar gut einmal lesen kann, danach aber vergisst und auch kein zweites Mal mehr zur Hand nimmt.
Die Handlung als solche ist ziemlich konfus. Da der Leser eigentlich nie weiß, in welcher Zeit der Handlung er sich gerade aufhält, fällt es oftmals einfach schwer, Zusammenhänge zu verstehen. Der Wechsel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit ist ziemlich rasant und leider wurde wohl ganz einfach vergessen, einen dezenten Hinweis auf die aktuellen Zeiten zu geben. Wenn das tatsächlich ein gewollter Effekt ist, der eventuell die Spannung der Geschichte erhöhen soll, so ist er leider vollkommen fehlgeschlagen. Der Spannungsbogen, der sowieso nur minimal vorhanden ist, hat von der Zeitenspringerei gar nichts.
Interessant ist dann allerdings, dass der Leser sich ein weiters Mal mit einer neuen Art des Vampirs auseinander setzen kann. Tanja Heitmanns Vampire verfügen zwar zum Teil über die gängigen Vampirklischees, können sich ansonsten aber recht frei bewegen. Es bedarf zum Beispiel nicht mehr dem schnöden Biss in die Kehle eines Menschen, um ihn in eine Kreatur der Nacht zu verwandeln. Auch ist noch lange nicht jeder Mensch dazu geeignet, sich in einen Vampir zu verwandeln. Viele Menschen wären grundsätzlich zu schwach, einen solchen Dämon in sich zu tragen und ihm ein guter Wirt zu sein. Trotzdem gibt es Menschen, die unbedingt verwandelt werden möchten, ob sie nun stark genug sind, oder nicht. Was aus solchen Fehlgeschlagenen Verwandlungen resultiert, erfährt der Leser im Verlauf des Buches.
Ist dieser Roman nun also lesenswert?
Bedingt schon. Die Art der hier vorgestellten Vampire ist interessant, zumal sie sich eigentlich niemals selber als solche bezeichnen. Die Problematik, der sich Adam und Lea innerhalb der Geschichte stellen müssen, hat bestimmt auch ihren Reiz. Wenn man darüber hinweg sehen kann, dass sich nun eben nicht alles akkurat in ein gewünschtes Muster pressen lässt, man keine Probleme mit dem einen oder anderen Logikfehler hat und sich nicht von dem Versprechen des Klappentextes irre leiten lässt, könnte das Buch durchaus dem einen oder anderen Leser gefallen.
Allerdings wird Morgenrot niemals einem direkten Vergleich mit den Bänden der Bis(s)… - Reihe standhalten. Die versprochene Liebesgeschichte zwischen Lea und Adam ist im Grunde gar nicht existent, da es sich ganz offensichtlich um erzwungene und vorgetäuschte Gefühle zwischen den beiden handelt. Ebenso vermögen Tanja Heitmanns Charaktere auch nicht die gleichen Emotionen hervorzurufen, wie es Bella und Edward schaffen.
Morgenrot ist schon vom Grundtenor her ein sehr düsteres Buch. Dafür, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, sind einige der beschriebenen Szenen überaus aggressiv und blutrünstig.
Ob es sich lohnt, einen Folgeband zu lesen, bleibt ohne Frage jedem selbst überlassen.
Tintagel - 15. Dez, 17:39
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