Rezension Historisch

Sonntag, 19. Oktober 2008

[Rezension] Die Liebenden von Leningrad - Paullina Simons


Die Liebenden von Leningrad
Simons, Paullina
Historischer Roman,
Russland, 20. Jahrhundert
Seiten: 750
Bewertung:


Tatjana, jung und noch voller Idee, Träume und Illusionen, trifft an einem Sonntag in Leningrad auf den jungen Offizier Alexander. Es ist die große Liebe, scheinbar auf beiden Seiten, doch sie ist bedroht. Die nahende Front, die Leningrad immer näher rückt, ist nur eine recht geringe Gefahr für das junge Glück, wenn auch eine, die nicht zu unterschätzen ist. Doch einen viel größeren Schatten wirft Tatjanas große Schwester auf das Glück der beiden jungen Menschen, denn Dascha ist mit Alexander liiert.

Zwei Schwestern lieben den gleichen Mann

Als der zweite Weltkrieg in Russland ausbricht, ist Tatjana noch keine siebzehn Jahre alt. Ihre Familie lebt als anständige Kommunisten auf zwei Räumen zusammen, sodass es mit Oma, Opa, den Eltern und den Geschwistern Dascha und Pascha schon recht eng ist. Kurz nach dem Bekanntwerden des Eintritts in das Kriegsgeschehen besteht Tatjanas Vater darauf, den Sohn in ein Ferienlager zu bringen, immer in der Hoffnung, ihn auf diese Weise vor dem Einzug in die Armee zu bewahren. Während die Familie den Sohn zum Zug bringt, soll Tatjana Lebensmittel kaufen gehen. Doch der Backfisch ist sich der Gefahren des nahenden Krieges nicht bewusst und sieht die Zukunft eher rosig, romantisch und abenteuerlich. Während sie dann doch der Order ihres Vaters nachkommt, begegnet sie einem jungen Soldaten, der es ihr vom ersten Moment an vollkommen angetan hat. Alexander seinerseits ist fasziniert von Tatjana. Als die beiden ins Gespräch kommen, fühlt sich Tatjana im siebten Himmel. Doch der Sturz aus den rosa-roten Wolken kommt schon bald und ist sehr hart: Alexander entpuppt sich als der Freund von ihrer großen Schwester Dascha…

Authentische Schauplätze und glaubwürdige Charaktere bevölkern dieses Buch

Paullina Simons ist in Leningrad geboren worden und auch dort aufgewachsen, daher rührt wohl ihr Geschick, die Zustände in der kommunistischen Stadt so authentisch wider zu geben. Es gelingt der Autorin, ihre Leser mit auf eine Zeitreise zu nehmen. Nicht nur in ein fernes Land, sondern auch hinein in eine Kultur, die so Grundverschieden in allem ist, was die meisten aus eigener Erfahrung kennen.
Die beengte Wohnsituation, die geringe – wenn überhaupt vorhandene – Privatsphäre von den Menschen, die in einer Wohnung zusammen leben, die für gewöhnlich nicht größer ist, als ein Zimmer und als einzigen Luxus sowohl eine Gemeinschaftsküche als auch ein Gemeinschaftsbad bietet. Der Gestank auf den Fluren, der Schmutz und Dreck innerhalb der Häuser lassen den Leser nicht mehr los und verfolgen ihn durch das gesamte Buch. In krassem Gegensatz dazu stehen die Beschreibungen der Parkanlagen und Sehenswürdigkeiten in Leningrad, die lauen Sommernächte, in denen Tatiana und Alexander Spaziergänge unternehmen, oder aber einfach nur auf einer Bank sitzen und sich Unterhalten. In diesen Momenten möchte man sofort ins nächste Reisebüro laufen und sich einen Flug nach Russland buchen – in die Vergangenheit und hinein in die Stadt Leningrad, die so vielschichtig ist.

Vielschichtig sind aber nicht nur die Beschreibungen von der Umgebung und Begebenheiten rund um Tatiana und Alexander, sonder auch Paullina Simons Charaktere an sich. Keiner von ihnen handelt jemals unglaubwürdig und die Geschichte wirkt zu keiner Zeit konstruiert. Weder der saufende Vater noch die verbrauchte Mutter Tatianas sind dazu angetan, dem Roman künstlich zuzuspielen, vielmehr wird durch die Beschreibung der elendigen Zustände nur noch deutlicher, wie es gewesen sein muß, im Jahr 1941. Die Trostlosigkeit der Zeit spiegelt sich in den Menschen wider, die sowieso kaum eine Chance auf ein glückliches Leben hatten und denen mit Ausbruch des Krieges alles genommen wird, was auch ein ärmliches Leben lebenswert macht. Dascha, die egoistisch wirkende große Schwester, die verzweifelt versucht, ihr Glück zu halten, ist ebenso glaubwürdig wie die immer Hilfsbereite und Aufopferungsvolle Tatiana, der im Grunde nur daran gelegen ist, nicht selbst an den Kriegswirren und den sehr gespannten Familiärenverhältnissen vollends zu Grunde zu gehen und deren einziger Lichtblick in dieser Trostlosen Umgebung die schillernde Gestalt des Offiziers Alexander ist. Dieser ist absolut dazu angetan, der Frauenwelt sämtliche Herzen zu brechen. Groß, überaus gutaussehend und auf eine so herzliche Weise Tatiana zugetan, dass es einem oftmals die Tränen in die Augen treibt, wenn er wider einmal verzweifelt versucht, nicht nur sein Leben und das Tatianas zu retten, sondern auch seine Liebe zu beschützen, die ihm so viele Steine in den Weg legt.

Eine Liebesgeschichte, so strahlend hell wie der Himmel und so düster wie die Hölle

Tatiana und Alexander verbindet eine Liebe, die so strahlend ist wie der Himmel und deren Kehrseite so düster ist wie die finsterste Hölle. Während die beiden jungen Leuten endlich jeweils den einen Menschen gefunden haben, mit dem sie ihr weiteres Leben verbringen wollen, hat ihnen das Schicksal eine eher tragische Rolle zugedacht. Tatiana bringt es nicht übers Herz, das vermeintliche Glück ihrer Schwester zu zerstören, und leidet lieber selbst Höllenqualen. Die Situation wird auch dadurch nicht besser, dass Dascha bald die einzige Person ist, die Tatiana noch bleibt. Obwohl sich Alexander in dieser Dreiecksbeziehung mehr als Unwohl fühlt, beugt er sich dem Wunsch Tatianas und spielt weiterhin brav seine Rolle. Doch dann begeht Tatiana einen Fehler und scheint ihre Liebe verloren zu haben. Ein Happy – End, das sowieso schon recht unwahrscheinlich ist, rückt in weite Ferne…

Absoluter Lesetipp

Dieses Buch ist ein absoluter Lesetipp. Auch wenn man rein vom Klappentext her die Vermutung äußern könnte, hier einem reinen Liebesroman zu begegnen, würde man diesem Roman damit unrecht tun. Paullina Simons legt ebensoviel Wert auf die Beschreibung des Lebens, während der Belagerung Leningrads und der Lebensumstände der Zeit, wie auf die Zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer Protagonisten.
Gerade die Abwechslung von Alltag, Kriegsgeschehen und den wenigen Begegnungen zwischen Alexander und Tatiana geben dem Buch eine Atmosphäre, die es dem Leser fast unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Die vielen Schicksalsschläge, die Tatiana ereilen und die sie sehr umsichtig meistert, lässt auf siebenhundertfünfzig Seiten einen Backfisch zu einer Frau werden, der man kein X mehr für ein U vormachen kann.

Wer dieses Buch nicht gelesen hat, der weiß nicht, zu was ein guter Roman fähig ist. Die Liebenden von Leningrad könnte man mit einer Achterbahn vergleichen, auf jede Höhe folgt unweigerlich eine Tiefe, wobei jedoch immer ein Spannungsbogen erhalten bleibt, der den Leser dazu zwingt, erst dann in der Nacht das Licht zu löschen, wenn einem schon die Augen zugefallen sind.


- in: Rezension Historisch 391 mal gelesen

Montag, 11. August 2008

[Rezension] Katharina - Nina Blazon


Katharina
Blazon, Nina
Historischer Roman,
Russland, 18. Jahrhundert
Seiten: 441
Bewertung:

Romane über historische Persönlichkeiten zu schreiben, ist nicht einfach. Der Leser erwartet nicht nur historisch korrekte Hintergründe zu der geschilderten Person, sondern auch zu der geschilderten Zeit. Zudem soll ein solcher Roman unterhalten, Fakten näher bringen und nicht nur trockene Details aus Geschichtsbüchern wieder spiegeln. Gerade bei Jugendbüchern kann das schnell mal fehlschlagen.

Nicht so hier. Nina Blazon nimmt die Leser mit ins 18. Jahrhundert an den Zarenhof in Sankt Petersburg. Zarin Elisabeth regiert das Land mit strenger Hand, unterhält ihre geheime Kanzlei und schickt regelmäßig Menschen nach Sibirien in Straflager, die das eine oder andere Verbrechen begangen haben. Unter ihrer Fuchtel leiden nicht nur ihre Untertanen sondern der gesamte Zarenhof, inklusive des Großfürstenpaares Peter und Katharina.

Während Peter noch einigermaßen frei ist in seinen Entscheidungen, geht es seiner Ehefrau schlechter. Obwohl sie sich bemüht, ihre deutsche Abstammung abzulegen und sich ganz als Russin in Russland zu integrieren, wird sie von der Zarin unterdrückt wo es nur geht. Als Elisabeth den Thronfolger Paul sofort nach seiner Geburt seiner Mutter Katharina entzieht, ist es auch bald mit deren Duldsamkeit vorbei. Abgeschoben und abgeschottet in einer kalten Kammer bleibt die Wöchnerin nach einer schweren Geburt ohne ihr Kind zurück. Nur einem Zufall und der Fürsorge der hölzernen Gräfin Valentina Swarowa ist es zu verdanken, dass Katharina nicht unter den Folgen der lieblosen Behandlung der Zarin zu arg leiden muss. Als Elisabeth jedoch ein paar Wochen später die junge Großfürstin ein weiteres Mal schwer vor den Kopf stößt, ist es mit Katharinas Geduld endgültig zu Ende. Gemeinsam mit Valentina, die ihre geheime Vertraute geworden ist, bläst sie zum Gegenangriff.

Auch wenn dieser Roman die junge Großfürstin Katharina auf ihrem Weg zur Machtübernahme begleitet, wird ihre Geschichte doch mehr aus ihrem Umfeld heraus erzählt. Wie auch schon in dem Roman Der Spiegel der Königin lässt die Autorin ihre Hauptperson ein bisschen in den Hintergrund treten. Dafür bekommen Figuren eine Stimme, die sonst eher zum gemeinen Fußvolk der Herrscher gehören. Hier sind es Hofdamen, Soldaten und Leibeigene, die ihre eigenen Geschichten erzählen, die oftmals sehr eng mit Katharinas verbunden sind.

Was war also das Besondere an Katharina?
Katharina fasziniert dadurch, dass der Leser ein Gespür für die junge Großfürstin bekommt, die oftmals unterschätzt wird und doch auf ihre ganz eigene Art überaus sympathisch ist. Von der Schwiegermutter unterdrückt, von dem Ehemann missachtet – das ist die traurige Wahrheit, der sich Jekaterina Alexejewna stellen muss. Während andere Frauen zu ihrer Zeit sich vielleicht auf die eine oder andere Weise mit diesem Schicksal abgefunden hätten, kämpft Katharina um ihre Stellung, um ihr Volk und auch um ihr Glück. Sie nimmt für sich die gleichen Rechte im geheimen in Anspruch, wie ihr Gemahl auch, obwohl es für sie um einiges Gefährlicher war, einen Liebhaber zu haben, als es für Peter mit einer Geliebten je hätte werden können.

Eine Karte wäre noch schön gewesen, anhand derer sich der Leser ein Bild davon hätte machen können, auf welchen Wegen die einzelnen Figuren ihren Weg nach Sankt Petersburg hinein bzw. herausgefunden haben. Es ist zwar nicht tragisch, dass es diese Karte nicht gibt, doch hätte sie vielleicht ein paar Fragen klären können.

In einem ausführlichen Nachwort fügt Nina Blazon noch ein paar Erklärungen hinzu, sowohl über die historische Korrektheit ihres Werkes, wie auch ein paar Informationen zu den Figuren, egal ob historisch belegt oder frei erfunden.
Es steht außer Frage, dass dieses Buch für Jugendliche geschrieben wurde. Dennoch werden auch Erwachsene ihren Spaß beim lesen dieses Buches haben, bietet es doch die Möglichkeit, Katharina die Große aus einem eher ungewöhnlichen Blickwinkel zu betrachten.


- in: Rezension Historisch 344 mal gelesen

Freitag, 11. Juli 2008

[Rezi] Die Steine der Fatima - Franziska Wulf


Die Steine der Fatima
Wulf, Franziska
Historischer Zeitreise Roman
Seiten: 446
Bewertung:


Die Steine der Fatima war echt mal eine Erfahrung. Allerdings eine, die man nicht unbedingt machen muss. Das Buch habe ich mal als Mängelexemplar bei Weltbild erworben. Und ich bin wirklich froh, dass ich nicht blind gleich die beiden Folgebände mitgenommen habe. Kathrin, mit der ich die LR gelesen habe, hat es schön auf den Punkt gebracht, als sie meinte, sie habe den Mängel an dem Buch gefunden: Den Inhalt.

Das Buch mag vielleicht etwas für jemanden sein, der noch nicht soviele historische Romane gelesen hat, wie ich. Oder aber es ist etwas für jemanden, der sich gerne beim lesen "berieseln" lässt. Mich hat es jedenfalls nur gelangweilt. Und dabei scheint die Autorin dennoch schreiben zu können, denn ihr Stil ist flüssig und locker.

Bleiben die Fragen, wieso sie sich dermaßen an medizinischen Fachbegriffen festbeißt, diese dann aber nicht für die Laien unter ihren Lesern übersetzt; und: warum sie nicht mehr aus der Story heraus geholt hat? Die Figuren sind allesamt Oberflächlich, die Hauptprotagonistin ist nur nervig und ohne sie hätte das Buch vielleicht sogar interessant werden können.

Ein Buch ohne Hauptperson? Gut, das geht nicht. Aber dann vielleicht eine Hauptperson, die nicht dermaßen eine Überfrau ist. Ich finde es schrecklich, wenn man seinen Hauptpersonen so gar nichts zumutet und sie immer und überall die Oberhand haben.

Muß ich die vorhersehbare Handlung noch erwähnen? Wenn dann wohl nur der Form halber. Überraschungen gibt es in diesem Buch nicht, es lädt sogar dazu ein, quergelesen zu werden. Selbst wenn man mal ein komplettes Kapitel überspringt, hat man nichts wesentliches verpasst und kann munter weiter springen in der Story. Das Haremsleben wird nur ganz knapp angeschnitten und auch alles andere, was irgendwie hätte interessant werden können, läuft nebenbei.

So, und wer jetzt noch interesse an dem Buch hat - ich hätte ein Exemplar abzugeben .


- in: Rezension Historisch 260 mal gelesen

Dienstag, 10. Juni 2008

Die Spionin - Corina Bomann


Die Spionin
Bomann, Corina
Historischer Roman, 16. Jahrhundert
Seiten: 659
Bewertung:


Die junge Alyson steht vor der schwierigen Aufgabe, für das Leben und überleben ihrer Geschwister und sich selbst zu sorgen. Gar nicht so einfach im winterlichen London 1585. Und noch viel schwieriger, wenn man seinen Lebensunterhalt durch Raubzüge auf den Märkten bestreitet. Als Alyson eines Morgens auf dem Rückweg zu ihrem Versteck ungewollt Zeugin eines Mordes wird, ändert sich ihr Leben schneller, als ihr lieb ist.

Die Raben im Tower

Während die Mörder, die sie bei ihrer Tat beobachten konnte, hinter ihr her sind, gerät sie in die Fänge ihr fremder Männer. Eine seelige Ohnmacht übermannt sie, aus der sie erst einige Zeit später wieder erwacht – im Tower von London. Sie wird zum Sekretär der Königin, Sir Francis Walsingham, gebracht, der ihr ihre missliche Lage verdeutlicht. Wenn er sie schon nicht wegen Diebstahls verhaftet und inhaftiert, dann bleiben ihr nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder sie geht zurück in ihr Versteck und zu ihren Geschwister, was ihren sicheren Tod bedeuten würde, denn die Männer, die sie bei ihrer blutigen Tat überrascht hat, sind spanische Meisterspione, die Zeugen gar nicht gebrauchen können; oder sie schließt sich Sir Walsingham und seinem kleinen Spionagering an.

So kommt es, dass Alyson ihr Leben als Diebin aufgibt und in den Dienst ihrer Königin tritt – als Spionin. Ihre Ausbildung übernimmt Walsingham selbst, auf seinem Landsitz in Barn Elms. Dort lernt Alyson nicht nur die Grundlagen der Spionage, sie wird auch in Allgemeinbildung und höfischem Benehmen unterrichtet. Außerdem lernt sie einige der anderen Spione kennen, die sie selbst „Walsinghams Raben“ nennt. Während ihrer Ausbildung muß Alyson allerdings erfahren, dass das Leben eines Spions ein recht einsames ist…

Historische Begebenheiten und künstlerische Freiheiten

„Die Spionin“ ist das Debüt von Corina Bomann, und dieses ist der Autorin durchweg gelungen. Glaubwürdige Protagonisten bevölkern den Roman und lassen ihn lebendig werden. Eine gründliche Recherche ist hier die Basis von Alysons Abenteuern, die den Leser quer durch England und letzten Endes sogar bis nach Spanien führt. Die Autorin selbst weist in ihrem Nachwort darauf hin, dass nicht alles historisch korrekt ist, sondern die eine oder andere Änderung der Geschehnisse zu Gunsten Alysons Geschichte vorgenommen wurde.

Dennoch trifft man auf viele historische Persönlichkeiten, die ihren Platz in diesem Roman gefunden haben. Sir Francis Walsingham, der tatsächlich den Englischen Geheimdienst begründete und nachweislich mehrere Attentate auf Elisabeth I. von England vereitelte, findet sich hier neben Elisabeth I sowie Maria Stuart wieder. Auch haben Seefahrergrößen wie Sir Francis Drake und Techniker wie Adam Dreyling ihren Weg in diese Geschichte gefunden.

Was „Die Spionin“ zu einem wirklichen Lesevergnügen macht, ist die Tatsache, dass Corina Bomann einen außerordentlich mitreißenden Erzählstil pflegt. Es fällt einem überhaupt nicht schwer, Zugang zu den Charakteren oder den Ereignissen zu finden. Die Schauplätze sind so plastisch beschrieben und die Charaktere so Facettenreich, dass sie einen sofort in ihren Bann schlagen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob man sich gerade mit Alyson durch die Straßen von London schlängelt, mit Elisabeth und ihren Hofdamen zu einem Ball geht oder ob man - getarnt als Küchenmagd - dem Prozess Maria Stuarts beiwohnt. Außerdem hebt sich dieser Roman in einem Punkt entschieden von anderen diesen Genres ab: Alyson bleibt trotz all ihrer Fähigkeiten, die sie sich hart erarbeiten musste, normal und mutiert nicht zu einer Art Wonderwoman. Sie macht durchaus auch mal Fehler, auch in Situationen, wo sie sich eigentlich keine leisten dürfte.

Dieses Buch lässt einen nicht mehr los, bis man es ausgelesen hat. Und trotz eines „runden“ Endes bleiben Fragen offen, die einen hoffen lassen, dass es – irgendwann – ein Wiedersehen mit Alyson geben wird.


- in: Rezension Historisch 327 mal gelesen

Montag, 10. März 2008

Die Markgräfin - Sabine Weigand


Die Markgräfin
Weigand, Sabine
Historischer Roman
Seiten: 477
Bewertung:


Barbara wird schon als junges Mädchen aus politischen Gründen an einen sehr viel älteren Mann, den Herzog von Groß Glogau und Crossen, verheiratet. Sie ist sich ihrer Stellung bewusst, und auch wenn es dem Mädchen schwer fällt, die Heimat zu verlassen und zu einem ihr vollkommen fremden Mann zu reisen, so tut sie es doch. Jahrelang – ihr gesamtes bisheriges Leben – ist sie auf diesen Tag vorbereitet worden und nun muß sie tun, was ihre Eltern, ihr Land und nicht zu letzt ihr zukünftiger Ehemann von ihr Verlangen.

Zwei Jahre später kehrt sie als Witwe an den Hof ihrer Eltern zurück. Ihr Ehemann ist tot, doch hat er sie gut versorgt und ihr das gesamte Herzogtum vermacht. Damit wird sie nur interessanter, in den Augen ihrer Familie wertvoller, denn sie bringt nicht nur eine große Mitgift in eine mögliche neue Verbindung mit, sondern auch noch ihre Jungfräulichkeit, da die Ehe mit dem Herzog von Groß Glogau niemals vollzogen wurde.

Der König von Böhmen meldet Interesse an – und ein weiteres Mal tut das junge Mädchen, was von ihm verlangt wird. Sie heiratet per procurationem, also durch einen Stellvertreter, Vladislav II. von Böhmen und wartet geduldig auf ihre Heimführung. Dieses zieht sich, denn zu erst stellen sich dem König politische Probleme, die einen Krieg unumgänglich machen, und später wird Barbara schlicht unattraktiv für ihn. Letzten Endes interessiert ihn nur noch eines an Barbara, eine möglichst schnelle Scheidung, denn ihre Mitgift hat er schon längst an Ungarn abgetreten. Er ersucht um eine Dispens beim Papst und auch Barbara würde eine Scheidung herzlich Willkommen heißen.

Die nunmehr mittelose, nicht mehr junge Frau, wird ihren inzwischen regierenden Brüdern unbequem. Denn zu allem Übel hat Barbara sehr wohl ihren eigenen Kopf, möchte unabhängig von ihrer Familie leben und vielleicht sogar einmal eine eigene Familie haben – auch wenn sie dafür unter ihrem Stand heiraten müsste. So kommt es, dass ihr Bruder Albrecht sie auf die Plassenburg bringen lässt, wo er sie gefangen hält.

An diesem Punkt enden die wenigen Überlieferungen zu Barbara von Ansbach, Märkgräfin von Brandenburg. Was genau ihr auf der Plassenburg in der Gefangenschaft widerfahren ist, ist ungewiss. Und an dieser Stelle kommt Sabine Weigand ins Spiel.

Sie beschreibt im ersten Teil ihres Buches das Leben von Barbara, wie es überliefert wurde und lässt ihrer Phantasie ab der Gefangennahme der Markgräfin weitestgehend freien lauf. Doch nicht alleine um das Leben der interessanten historischen Persönlichkeit geht es in dem Debütroman der Autorin, sondern auch um die Plassenburg, die sich über der Stadt Kulmbach erhebt. Neben einer interessanten historischen Vergangenheit bietet sie auch genug Potenzial um einen zweiten Plot in den Roman einzubauen, der in der Gegenwart spielt.

Im zweiten Plot versucht ein Kastellan der Gegenwart, einen Kindstod aus der Vergangenheit aufzulösen. Ihm zur Seite stehen drei Freunde, die sich selbst als die „Forschenden Vier“ bezeichnen und nach und nach in die Geschichte der Plassenburg abtauchen, auf der Suche nach der Mutter des toten Kindes und einem Hinweis darauf, wie es ums Leben gekommen ist.

Was sich zuerst als einigermaßen Verwirrend ausnehmen kann, wird aber mit der Zeit immer spannender und interessanter. Durch die Zeitsprünge entstehen kaum Längen in der zu erzählenden Geschichte, denn die Protagonisten helfen sich quasi gegenseitig. So kommt der Leser nach und nach hinter das Geheimnis, welches die Plassenburg so viele Jahre lang geborgen hat.

Was negativ auffallen kann, ist die Tatsache, dass die Autorin die Geschichte der Barbara von Brandenburg quasi um 50 Jahre in die Zukunft versetzt hat. Albrecht war gar nicht ihr Bruder sondern ihr Großneffe. Durch das versetzen der Zeit werden auch die Daten anderer historischer Persönlichkeiten in Mitleidenschaft gezogen, was immer mal wieder zu Verwirrungen führen kann, wenn man Barbaras Leben parallel zum Buch auf eigene Faust recherchieren möchte. In einem sehr ausführlichen Nachwort erklärt Sabine Weigand aber selbst, wieso sie diesen Weg gewählt hat.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, ihre Beweggründe für gewöhnlich nachvollziehbar und somit absolut glaubwürdig. Sicherlich muß man sich den krassen Gegensatz zur heutigen Zeit und dem 16. Jahrhundert vor Augen führen, um auch Barbara verstehen zu können, die für ihre Zeit fast schon utopische Vorstellung ihr Leben betreffend hatte. Daher fällt es dem Leser an der einen oder anderen Stelle schwer, sich mit ihrem Handeln zu identifizieren. Oftmals bleibt nur ein Kopfschütteln für eine Frau, die gegen sämtliche Konventionen ihrer Zeit wieder und wieder aufbegehrt.

Aufgelockert und zugleich authentischer wird die Geschichte durch zeitgenössische Briefe und Auflistungen, die die Autorin in die Handlung mit einfließen lässt.
Was das Buch allerdings vermissen lässt, ist ganz klar ein Glossar. Zu Beginn weniger, zum Ende hin dafür umso mehr. Bei so vielen altertümlichen Ausdrücken reicht irgendwann das laienhafte Wissen, das sich manch ein Leser im Laufe der Zeit angeeignet hat, leider nicht mehr aus.

Abgesehen davon hat Sabine Weigand ein Werk geschaffen, das absolut lesenswert ist.


- in: Rezension Historisch 600 mal gelesen

Freitag, 14. September 2007

Im Land der weißen Wolke - Sarah Lark



Bastei Lübbe (Lübbe Verlagsgruppe), TB, ET: 08/2007, 813 Seiten, ISBN: 9783404157136


Es war noch nie einfach, als Frau den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Im 19. Jahrhundert war es sogar noch um einiges prekärer als heute. Moral und Anstand mussten gewahrt bleiben und dabei sollte auch noch die best mögliche Partie für die Töchter der damaligen Zeit gefunden werden; innerhalb des Klassendenkens nicht immer ganz einfach…

Zwei Frauen auf dem Weg in ein neues Leben

Gwyneira, Tochter aus altem englischen Landadel, ist aufgeweckt und lebhaft, um nicht zu sagen stur und eigenwillig. Zwei Eigenschaften, die sie nicht zur ersten Wahl unter den jungen Männern im heiratsfähigen Alter unter den Aristokraten macht. Einen Ehemann für sie zu finden entpuppt sich als äußerst langwierige und schwierige Angelegenheit für ihren Vater. Dass er dennoch einen Mann für sie findet geschieht eher unbeabsichtigt und kommt für ihren Vater selbst sehr überraschend. Das dieser dann auch noch in Neuseeland zu finden ist und somit eigentlich ein fremder für die gesamte Familie, macht eher Gwyneiras Verwandten zu schaffen als ihr. Sie sieht in dieser Verbindung die Möglichkeit, dem tristen Leben einer adligen Dame im noch tristeren England zu entfliehen und gibt sich ganz ihren Träumen vom Pionierleben hin, an der Seite eines stattlichen „Schaf-Barons“.

Helen, Gouvernante in einem vornehmen englischen Haus, stolpert eines Tages über eine Kontaktanzeige im Ortsansässigen Kirchenblättchen. Gouvernanten zeichnen sich dadurch aus, dass sie über pädagogisches Geschick verfügen und tunlichst allein stehend sind. Meistens sind Gouvernanten daher Witwen oder junge Frauen, die sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen und keine Chance auf eine Heirat und damit eine eigene Familie sehen. Helen jedoch träumt von eigenen Kindern, einem geordneten Haushalt und einem Ehemann. All dieses verspricht ihr die Kontaktanzeige; und die Briefe des Mannes vom anderen Ende der Welt, die auf ihre Antwort folgen, sind viel versprechend.

So kommt es, dass sich Gwyniera und Helen auf der Wochenlangen Überfahrt nach Neuseeland kennen lernen und eine innige Freundschaft zwischen ihnen entsteht, die es England sicherlich nie gegeben hätte.
Wie wichtig ihre Freundschaft für die beiden noch werden wird, können sie nicht ahnen, als sie endlich Neuseeländischen Boden betreten. Es ist als wären beide Frauen im falschen Leben gelandet. Gwyneiras Ehemann entpuppt sich als Schöngeist und hält wenig vom Landleben und der Viehzucht und ist soweit vom Pioniergeist entfernt wie die Sonne vom Mond; Helens Mann hingegen hätte nichts dagegen, wenn seine Frau ein bisschen mehr Pioniergeist mitbrächte und dafür weniger Oberlehrerinnen mäßig daher käme.

Familiengeschichten

Im Land der weißen Wolke vereint in sich sowohl eine Geschichte über die ersten Siedler Neuseelands als auch den Beginn einer sehr unterhaltsamen Familien – Saga. Sarah Lark hat ihren Debütroman zwar einen historischen Rahmen verliehen, doch bleiben die historischen Aspekte eher im Hintergrund. Im Vordergrund stehen die beiden Familien, in die Gwyneira und Helen einheiraten und die schon seit Jahren miteinander verfeindet sind. Ein Umstand, der allerdings die beiden jungen Frauen nicht daran hindert, auch weiterhin befreundet zu bleiben und ihre Freundschaft sogar noch zu vertiefen.

Dennoch bleibt die Geschichte nicht ganz unbeachtet. Sarah Lark lässt es sich nicht nehmen den Leser mit in die Randbereiche des Siedlertums zu nehmen und ihm auch die Kehrseite der Medaille zu zeigen. Robben- und Walfangschiffe sind die abscheulichsten Stationen der Siedlerleiter. Dagegen haben es die Goldsucher zwar nicht unbedingt sauberer, dafür aber oftmals bequemer. Außerdem haben sie den Vorteil, dass sich rund um die Goldsucher oftmals kleinere Städte auftun, die einigermaßen blühen und gedeihen.

Nicht vergessen werden auch die Ureinwohner Neuseelands, die Maori. Auch hier gibt es für den Leser einiges zu entdecken, denn sowohl ihre Kultur als auch ihre Küche werden in das Geschehen des Buches aufgenommen. Wertungsfrei und gekonnt werden die Stämme in das Geschehen aufgenommen und bieten dem Leser so den Raum, sich selbst ein Bild von ihnen machen zu können.

Trotzdem lebt der Roman - und mit ihm die Familien von Gwyneira und Helen - von der Viehzucht. Der Leser bekommt einen guten Einblick in das Farmerleben, sowohl auf einem gut laufenden Anwesen, nicht ungleich denen, die es in England zu finden gibt, als auch auf einer kleineren Farm, wo das Tagewerk noch schwerer zu bestellen ist, als ohnehin schon. Zum Farmleben gehört auch die Zucht und gerade Gwyneira geht ganz darin auf, ihre Hunde und Pferde zu guten Arbeitstieren auszubilden. Eine Arbeit, die ihr in ihrer Heimat strikt untersagt geblieben wäre.

Landschaftlich sehr reizvoll und voller Atmosphäre bleibt „Im Land der weißen Wolke“ von der ersten bis zur letzten Seite. Man muss mit den beiden jungen Frauen aus England einfach mitfiebern, mitleiden und Anteil nehmen an ihrem nicht immer einfachen Leben. Wenn man jetzt meint, man hätte es mit einem Frieden – Freude – Eierkuchen – Roman zu tun, der irrt. Sarah Lark scheut sich nicht davor, auch die schlechten Seiten der Menschen zu beschreiben und so kratzt sie mit diesem Buch keines Wegs nur an der Oberfläche. Liebe und Freundschaft aber auch Hass und Gewalt finden auf guten 800 Seiten jeweils einen Platz für sich und machen dadurch dieses Buch zu dem was es ist.

Ein wenig stören könnten allerdings die Zeitsprünge. Wie im Zeitraffer fliegen schon mal die Wochen und Monate an dem Leser vorbei und ehe man es sich versieht, geht die Familien – Saga in die zweite Generation. Trotzdem hat der Leser aber nicht das Gefühl „außen vor“ zu bleiben. Gekonnt bindet die Autorin die Zeitsprünge in die Handlung mit ein und bleibt so immer nah an ihren Protagonisten.
Obwohl alle Figuren in diesem Roman ihre Ecken und Kanten haben und somit sehr menschlich sind, fehlt es doch hin und wieder an einer gewissen Tiefe. So bleibt Helen dem Leser ein bisschen fremd und man bekommt den Eindruck, sie würde ein wenig Stiefkindlich behandelt. So bleibt sie leider immer ein wenig im Schatten von Gwyneira stehen.

Dennoch bietet dieser Roman Lesegenuss pur. Und die Fortsetzungen der Familien – Saga wird sicherlich dem Erstling in nichts nachstehen.
- in: Rezension Historisch 996 mal gelesen

Montag, 4. Juni 2007

Die Königsdame - Sabine Weigand



Nachdem meine Rezension zu diesem Buch auf der Histo - Couch erschienen ist, darf ich sie auch hier veröffentlichen.

Ein Meisterwerk unter den historischen Romanen

August der Starke hat viele Probleme, sowohl in politischer Hinsicht als auch im privaten Umfeld. Constantia von Cosel, seine Maitresse en titre, läßt sich immer öfter zu Eifersuchtsszenen hinreißen und macht dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch ihn, den Kurfürsten, lächerlich. Jedermann weiß, dass der Cosel seine ganze Zuneigung gehört, aber es liegt nicht in seiner Art, sich an eine Frau zu binden. Zu sehr lockt ihn das Abenteuer und zu groß ist die Auswahl an hübschen Mädchen und Frauen an und um seinen Hof.

Das Geschenk des Zaren


Eines Tages bringt ihm ein russischer Gesandter ein sehr delikates Geschenk an den Hof zu Dresden – eine junge Türkin, die den Kinderschuhen noch lange nicht entwachsen ist. „In kalten Nächten soll das Mädchen dem Kurfürsten das Bette wärmen“, mit diesen Worten hat der Zar sich der viel zu jungen Türkin entledigt.
August ist gleichermaßen geschmeichelt als auch enttäuscht, denn mit so einem jungen Ding kann er nichts anfangen. Daher wird das Mädchen Fatima zur Freiherrin von Hoym, der späteren Gräfin von Cosel, geschickt welcher sie als Zofe dienen soll.

Nach und nach wird aus dem stummen Mädchen eine hübsche Frau, die auch August ins Auge fällt. Während Constantia endlich mit dem ersten Kind des Kurfürsten schwanger ist, macht er Fatima, die mittlerweile getauft ist und den christlichen Namen Maria Aurora trägt, zu einer weiteren seiner Maitressen. Während die Cosel noch Gift und Galle spuckt, beginnt für Fatima ein neues Leben. Doch dieses neue Leben hat bringt nicht nur Glückliches für die junge Frau mit sich, denn durch die politischen Entwicklungen gibt es schon bald am Hofe zu Dresden eine weitere Frau, die in Augusts Augen einen hohen Stellenwert einnimmt – Gräfin von Dönhoff, eine junge Polin soll seinen politischen Status in Polen sichern und festigen. Während Fatima dieser Entwicklung offen gegenübersteht, sieht die offizielle Geliebte eine weitere Rivalin in ihrem Revier wildern. Sie greift zu drastischen Mitteln…

Frauenheld, Kunstliebhaber und Bautycoon


Mit ihrem neuen Roman ist Sabine Weigand ein wahres Meisterwerk unter den historischen Romanen gelungen. Ausführlich befasst sich dieser Roman mit dem größten deutschen Fürsten der Geschichte – Friedrich August der Starke.
Die schillernde Persönlichkeit, die dieser Mann als Kurfürst von Dresden und König von Polen in sich vereinte, wird mit jeder gelesenen Zeile greifbarer. Er liebte es, sich mit schönen Dingen zu umgeben, schmückte sich mit hübschen Frauen wie mit einem Schmuckstück und baute seine Residenzstadt Dresden zu einer der schönsten Städte Deutschland aus. Immer wieder befällt ihn der „Bauwurm“ der ihn ständig dazu treibt, noch größere Bauten in Auftrag zu geben oder noch prunkvollere Gärten und Parks zu erschaffen. Neben alle dem liebt er die Kunst und so gelingt es ihm, eine der größten Pretiosensammlung der Welt zu erschaffen.

Historisch korrekt recherchiert bietet dieser Roman Lesegenuss pur – und zwar von der erste bis zur letzten Seite. Ohne Längen berichtet er von politischen Verwicklungen Sachsens in den Nordischen Krieg, der für August zusehends von Misserfolgen gekrönt wird. Die Polen wollen ihn nicht als ihren König behalten und auch der Schwedenkönig Karl XII zieht seinen Nutzen aus dieser Disharmonie in dem er Sachsen besetzt und August schwere finanzielle Schäden zufügt, während er den neuen Polenkönig unterstützt.
Neben den politischen Verwicklungen behandelt das Buch aber auch die private Seite des Kurfürsten. Seine Maitressen stehen in Vordergrund der Geschichte, allen voran Fatima und die Gräfin von Cosel.

Was diesen Roman deutlich von anderen unterscheidet sind die vielen Handlungsstränge, die aber niemals Verwirrung beim Leser hervorrufen. Die wechselnden Personen, aus deren Perspektive der Alltag am Hof zu Dresden beschrieben wird, sind übersichtlich und greifen einander stets auf. So findet man neben Briefen in veralterter Sprache auch Einträge aus dem Kurfürstlichen Kalender, die den Roman nur authentischer machen.

Trotz veralterter Sprache gibt es keine Verständnisprobleme


Die Sprache ist leicht verständlich und der Stil der Autorin sicher und flüssig, so dass dem Leser keine unnötigen Barrieren gebaut werden. Die vereinzelt auftretenden Französischen Redewendungen erklären sich von selbst und tragen dazu bei den Glanz und den Glamour der vergangen Epoche zu neuem Leben zu erwecken.

In einem sehr ausführlichen Nachwort nimmt Sabine Weigand noch einmal Stellung zu der Geschichte und verweist sowohl auf die historischen Persönlichkeiten und deren Taten, die aus der Zeit überliefert sind. Daneben hat sie ein paar der Hauptpersonen dieses Buches frei erfunden und gekonnt in die Handlung des Buches eingesetzt.
Ebenso zeichnet sich das Buch durch sich weiterentwickelnde Hauptpersonen aus, deren Handlungen bis ins kleinste Detail absolut nachzuvollziehen sind.

- in: Rezension Historisch 454 mal gelesen

Kreuzblume - Andrea Schacht



In Zeiten der Not sind Frauen schon oft über sich selbst hinausgewachsen und haben Dinge vollbracht, die ihnen unter normalen Umständen niemand zugetraut hätte.
Nun neigen die Menschen jedoch dazu, sich möglichst nicht in Situationen zu bringen, die ihnen persönlich nur zum Nachteil gereichen.
Was aber tun, wenn ein Krieg vor der Tür steht und der Mann auszieht, seine Heimat zu verteidigen und unter Umständen niemals wieder über die heimische Schwelle treten wird?

Der lange Arm der Franzosen


Genau dieser Frage muß sich Elisabeth Dahmen im Jahr 1794 stellen, als ihr Mann den Bescheid bekommt, mit seiner Einheit das heimische Köln zu verlassen um die ferne Stadt Mainz vor den Übergriffen der Fanzosen zu schützen. Sie bringt es nicht über sich, ihren Mann alleine in eine ungewisse Zukunft zu schicken und verlegt sich auf das was sie am besten kann: Aus allen Situationen das Beste machen. So geschieht es, dass aus ihrer Tochter Antonia, die gerade mal 4 Jahre alt geworden ist, ein Junge wird, damit dem Kind im Tross des Kölner Heers, dem sie sich als Marketenderin anschließt, nichts böses geschieht und es bestmöglich geschützt sein wird…

Zur selben Zeit, ebenfalls in Köln, muß sich der junge Cornelius von der Leyen eingstehen, dass sein bisheriges Leben alles andere als von Erfolg gekrönt war. Nachdem er aus der Universität ausgeschieden ist ohne seinen Abschluß gemacht zu haben, wird er von seinem Vater verstoßen und so beschließt er, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, allerdings durch Mittel, die nur zu einem nützlich waren, ihn an den Ort zu bringen, wo er sich nun mit brennender Schulter wieder findet – am Pranger von Köln mit Blick auf die große Baustelle, wo der Kölner Dom entstehen soll…

Die Geschichte des Kölner Doms aus einer anderen Perspektive


Andrea Schacht hat sich mit diesem Roman zur Aufgabe gemacht, den Leser auf eine Reise durch die Zeit mitzunehmen, hin zu einem phantastisch Anmutenden Unternehmen, dem Bau des Kölner Doms. Dieses faszinierende Bauwerk Gotischer Kunst schlägt noch heute viele Beobachter in seinen Bann und seine Entstehungsgeschichte ist in der Tat sehr interessant.
1248 mit dem Bau begonnen, erfährt der Dom über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Neuerungen an seinem Erscheinungsbild. Um 1540 herum wird der Dombau eingestellt, erst wegen mangelndem Interesse an dem Bau, später auch weil die finanziellen Mittel einfach nicht mehr reichen. 300 Jahre lang beherrschte der Kran auf dem unvollendeten Südturm des Doms das Stadtbild Kölns.

Durch die Französische Revolution und die darauf folgenden Koalitionskriege wurden viele Reliquien und Kirchenschätze aus den größeren Klöstern und Kirchen evakuiert und an anderen Orten versteckt. Diese wertvollen Transporte, auf denen neben Reliquien und sonstigen Wertgegenständen auch Bücher gerettet werden sollten, wurden nicht selten Opfer von Räubern und Wegelagerern. So kam es, dass auch die Originalen Baupläne für die Domfassade verschwanden.

Verloren und Gefunden


Auf die verschwundnen Dombaupläne setzt Andrea Schacht das Hauptaugenmerk ihres aktuellen Romans.
Die junge Antonia stolpert auf ihren Streifzügen durch die verschiedenen Orte in denen der Tross halt macht, in einer verlassenen Köhlerhütte über Teile von diesen Kirchenschätzen ohne zu ahnen, welch einen Fund sie hier gemacht hat. Das geht ihr erst sehr viel später auf, als sie einen blinden Mönch durch Zufall kennenlernt. Und noch ahnt sie nicht, dass es neben dieser Entdeckung noch weitere dunkle Geheimnisse in ihrem jungen Leben gibt.

Es gelingt Andrea Schacht immer wieder, den gewonnen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Zum einen durch die vielen kleinen und großen Geheimnisse ihrer Protagonisten, zum anderen auch durch die Vielzahl der Figuren, die diesen Roman beleben. In kurzen Kapiteln steht immer wieder eine andere Hauptfigur im Vordergrund, bis sich nach und nach alle ihren Platz in dieser raffiniert ausgearbeiteten Geschichte gesichert haben.
Um nicht den Überblick zu verlieren, befindet sich im Anhang des Buches ein Glossar, in dem die wichtigsten Personen mit ihren Eigenschaften aufgeführt werden, was durchaus sehr hilfreich ist.

Jeder einzelne Charakter ist so vielschichtig in seiner Persönlichkeit und so natürlich in seinem Tun, dass man zu keiner Zeit die Handlungen der einzelnen Personen in Frage stellt. Nachvollziehbar und sympathisch beschreibt Andrea Schacht die Kölner Bürger, deren Schicksal und Leben mehr oder weniger direkt mit der halben Bauruine des großen gotischen Gotteshausen verwoben sind.
Und sie alle haben ihren Anteil daran, dass letzten Endes das Werk vollbracht wird, das 1248 mit der Grundsteinlegung des Kölner Doms seinen Anfang nahm.
- in: Rezension Historisch 483 mal gelesen

Freitag, 2. März 2007

Die Schwester der Zuckermacherin - Mary Hooper



Bloomsburry Berlin, TB, ET 10/2008, Seiten 255
ISBN: 3827051444

Sarah arbeitet als Zuckermacherin in einem kleinen Laden in London, den sie von ihrer Tante übernommen hat. Das Geschäft läuft endlich so gut, dass sie Hilfe bei der Herstellung der vielen Leckereien brauchen kann und deshalb lässt sie ihre Schwester Hannah aus der Heimat kommen. Bester Dinge kommt Hannah nach London und schwelgt in großen und kleinen Träumen was ihr zukünftiges Leben in der Hauptstadt angeht. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft ändert sich alles.

In London nistet sich die Pest ein und der Volksmund spricht davon, dass sie alle zwanzig Jahre besonders schlimm wütet. Beläuft sich die Zahl der Menschen, die der schrecklichen Krankheit anheim fallen, in den ersten Wochen nach Auftreten noch in einem erträglichen Rahmen, ist doch schon bald abzusehen, welches Ausmaß diese Katastrophe noch annehmen wird. Hannah befindet sich in einem Zwiespalt der Gefühle. Einerseits hat sie Angst vor dem, was da auf die ganze Bevölkerung mit riesen Schritten zukommt, andererseits hat sie nicht nur ihre beste Freundin aus Jugendtagen in der großen Stadt wieder getroffen, sondern auch Tom kennen gelernt, einen Apothekerlehrling. Das Leben könnte nicht aufregender sein, doch dann ändert sich schlagartig alles.
In London wütet die Pest

Mary Hooper hat in dem ersten Roman um die Schwestern Sarah und Hannah das Thema der großen Pest in London von 1665 aufgefasst. Anschaulich und ergreifend schildert sie in einfachen und verständlichen Worten diese Zeit, die für die Bürger von London eine der schwersten in der Geschichte der Stadt war.

Neben der Pest ist das Zuckermacherhandwerk ein weiteres Hauptthema, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Viele Rezepte der damals gängigen Naschereien werden angeschnitten und machen Lust auf Zuckerwerk. Die etwas gewöhnungsbedürftigen Rezepturen sind dabei sehr interessant zu verfolgen. Die Schwestern verstehen etwas von ihrem Handwerk und so kommt es, dass vor ihrem Laden auch prominente Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts auftauchen. Nelly Gwyn ist eine davon. Als junges Mädchen ist sie von einer Orangenverkäuferin erst zur Schauspielerin aufgestiegen und wird in Zukunft irgendwann einmal eine der Geliebten des englischen Königs werden. Augenblicklich jedoch ist sie noch weit davon entfernt und hat einen eher zweifelhaften Ruf.

Die Charaktere der Autorin sind sympathisch und durchaus glaubwürdig beschrieben. Hannah ist in ihrer Faszination für die große Stadt so gefangen, dass sie wie das Mädchen vom Land wirkt, das sie ist. Ihre Naivität und Begeisterungsfähigkeit stehen im starken Kontrast zu der gesetzten und charakterstarken Sarah, die ein paar Jahre älter ist. Während sich Hannah schnell zu unbedachten Handlungen hinreißen lässt, hat die ältere Schwester die Zügel immer fest in der Hand. Doch wie sprunghaft das Verhalten der Jüngeren auch immer sein mag, ihr Handeln ist immer nachvollziehbar.
Hohe Authenzität

Trotz der Tatsache, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, wird dieses Jahr sehr detailliert wiedergegeben. Überall in London gibt es Pesthäuser, doch die Kranken dorthin zu schaffen ist eine Idee, auf die die Verantwortlichen nicht kommen. Stattdessen boomt der Handel mit Talismanen, die die gefürchtete Seuche aufhalten sollen, Quarantäne wird nur in der Form betrieben, dass Pestkranke mit ihrer Familie in ihren Häusern eingesperrt werden. Da sich auch durch diese Maßnahmen keine Besserung innerhalb der Stadtmauern einstellt, werden Hunde und Katzen in Massen getötet in der Annahme, dass diese Tiere die Seuche von Haus zu Haus bringen. Ab dem Moment wo es keine Streuner mehr in der Stadt gibt, nehmen die Todesfälle drastisch zu und die gefürchteten Totenkarren erscheinen erstmals auf Londons Straßen und auf den Friedhöfen werden Massengräber ausgehoben …

Schauerlichere Bilder könnte nicht einmal das Fernsehen zu Stande bringen, als sie von Mary Hooper beschrieben werden.
Nachdem meine Rezension im Februar auf der Histo-Couch erschienen ist, hohle ich sie jetzt mal hier her in meinen Blog.
- in: Rezension Historisch 482 mal gelesen

Der Schwur des MacKenzie - Clans - Morgan Grey



Eine gute Frau hat ihrem Mann einen Erben zu schenken, der irgendwann einmal den väterlichen Besitz übernimmt, ansonsten hübsch auszusehen und – das ist am wichtigsten von allem – den Mund zu halten hat. Dass sie das Denken besser auch nie erlernen sollte, versteht sich von selbst. Jedenfalls ist das die landläufige Meinung der männlichen Schotten im 13. Jahrhundert. Zugegeben, nicht alle denken so.
Zwischen Tradition und dem eigenen Leben

Sessany ist die Tochter vom Chief des MacKenzie-Clans. Der alte MacKenzie schenkt seiner Tochter wenig Beachtung und ist froh, wenn er sich nicht um sie kümmern muss. Sein ganzes Augenmerk ruht auf ihrem älteren Bruder Iomaér, der ihm eines Tages als Oberhaupt des Clans folgen soll. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter wurde eine Erzieherin mit der Aufgabe betraut, aus dem kleinen Mädchen eine junge Frau zu machen, die weiß wo ihr Platz in diesem Leben ist. Dieser Plan jedoch geht nicht so auf, wie ihr Vater sich das ursprünglich dachte und so kommt es, dass aus Sessany eine junge Frau wird, die vor Selbstbewusstsein strotzt und entschlossen ist, ihren eigenen Weg im Leben zu gehen.

Umso schwerer trifft es die junge Frau, als sich ihr Vater eines Tages wieder an sie erinnert und beschließt, dass es an der Zeit sei, sie zu verheiraten. Natürlich liegt ihm weniger das Wohl seiner Tochter am Herzen als viel mehr seine Clan-Politik und damit einhergehend der Ruhm des MacKenzie-Clans, für den er bereit ist alles zu tun.

So kommt es, dass Sessany nicht viel mehr übrig bleibt, als sich in ihr Schicksal zu fügen – jedenfalls nach außen. Im Stillen hat sie schon einen Plan gefasst, wie sie dem Gefängnis der Ehe entfliehen kann. Doch am Tage ihres Aufbruchs befindet sich ein Gefangener in ihrem Gefolge, der ihrem zukünftigen Mann als Sklave übergeben werden soll. Sessany kann ihn nicht seinem Schicksal überlassen und besiegelt somit ihr eigenes …
Abenteuer im historischen Gewand

Morgan Grey wollte ursprünglich einen Abenteuerroman schreiben. Auf Anregung des Verlags wurde das Konzept dann aber in einen historischen Roman umgewandelt. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen und vor allem lesen lassen.

„Der Schwur des MacKenzie-Clans“ ist eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Liebe und Geschichte. Mitreißend ist es, und wenn auch sprachlich eher schlicht geschrieben, bleibt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Gerade die Mischung macht das Buch so unwiderstehlich und lässt dem Leser kaum eine Atempause. Durch die sehr authentischen Charaktere und die äußerst gelungene Beschreibung der Umgebung Sessanys und der schottischen Highlands findet der Leser schnellen Zugang zu der Geschichte. Intrigen, Machtspiele und die sehr eigne Politik des MacKenzie lassen die Geschichte ständig spannend bleiben.

Allerdings wirkt Sessany manchmal ein wenig wie Wonderwoman. Immer couragiert in ihrem Handeln und strotzend vor Selbstbewusstsein. Selbst vor Wikingern weicht sie nicht zurück und auch ein Schlachtfeld kann sie in ihrem Streben nicht zurückhalten. Das ist aber so ziemlich das einzige Manko, das man in diesem Buch finden kann.

Letzten Endes ist „Der Schwur des MacKenzie-Clans“ ein in sich stimmiger Roman, der Spaß macht. Wer allerdings einen anspruchsvollen Roman erwartet, wird wohl enttäuscht werden.

Nachdem meine Rezension auf der Histo-Couch erschienen ist, hole ich sie jetzt mal hier her in meinen Blog.
- in: Rezension Historisch 477 mal gelesen

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