Rezension Liebesroman

Donnerstag, 6. März 2008

Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer



Es ist schnell passiert, dass man eine falsche Tastenkombination tippt. Egal ob beim Telefon, oder am PC. Wenn es sich beim tippen um eine Telefonnummer oder eine E-Mail Adresse handelt, dann können schon mal interessante Dinge geschehen. So auch hier.

Emmi Rothner trifft virtuell ungewollt auf Leo Leike. Schuld daran ist eine Zeitschrift, die Emmi abbestellen möchte, und sich dabei wiederholt in der E-Mail Adresse vertut, was zur Folge hat, dass ihre Versuche kläglich scheitern. Dafür ergibt sich ein interessanter Schriftverkehr zwischen Emmi und Leo, der erst oberflächlich ironisch ist, später aber tiefer und intensiver wird. Aus einer Zufalls – Online – Bekanntschaft entwickelt sich mit der Zeit eine Freundschaft zwischen den beiden, die allerdings auf sehr wackeligen Füssen steht.

Man tauscht sich über Alltagsprobleme, Wünsche und Hoffnungen aus, und übersieht dabei, dass es sich schon längst nicht mehr nur noch um eine zufällige Online – Freundschaft handelt, die man gerne pflegt. Beide beginnen, immer mehr in den jeweiligen Adressaten hineinzuinterpretieren, und nähren dadurch den Wunsch, sich auch mal im realen Leben zu treffen – auf ein gutes Gespräch unter Freunden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn in einer alkoholgeschwängerten Nacht, müssen beide einsehen, dass es sich nicht mit einer einfachen Freundschaft getan hat…

Daniel Glattauer ist ein österreichischer Journalist und Autor, der in Gut gegen Nordwind das Verhalten der Menschen zu Internet Zeiten beleuchtet. War es früher fast unmöglich, sich auf schriftlichem Wege zu verlaufen und fremde Menschen kennenzulernen, so ist es heute möglich und geschieht wohl täglich. Meistens passiert nichts – aber es kann alles draus werden. Ebenso eindringlich, so authentisch, wie es Daniel Glattauer in diesem Roman beschreibt.

Wir kennen Romane, die in Tagebuchform verfasst sind. Dieser Roman geht einen Schritt weiter. Er besteht aus einer Sammlung von E-Mails, anfangs Oberflächlich, später eindringlich. Somit schafft er es, den beiden Schreibern, die niemals „körperlich“ auftauchen, ein Gesicht zu geben. Wir erleben sie so, wie sie der Empfänger einer E-Mail erlebt. Sowohl Emmi als auch Leo zeigen sich von ihrer Schokoladenseite, treten in Fettnäpfchen und sind Geschäftsmäßig. Sie zeigen sich, wie es der Situation gerade entspricht und geben sich dadurch Konturen, Ecken und Kanten.

Interessant ist, dass alleine durch die Beschreibungen der Hauptcharaktere ihres Lebens und ihrer Selbst, derart viel Atmosphäre geschaffen wird. Das Buch steigert sich in ungeahnte Höhen und birgt durch Witz, Ironie und Intellekt des Autors ungeahnte Perlen. Ein Flirt, eine Liebesgeschichte, die einmal aus einem vollkommen anderen Winkel beschrieben wird, gipfelt in einem Showdown, den das Leben selbst besser nicht hätte fabrizieren können.




- in: Rezension Liebesroman 384 mal gelesen

Mittwoch, 30. Januar 2008

Wer ist eigentlich Paul? - Anette Göttlicher




„Paul … Wer ist eigentlich Paul?“

Diesen Satz kennen die meisten von uns. Allerdings eher im Zusammenhang mit einer TV-Werbung als im Zusammenhang mit einem Buch. Im Grunde ist es nicht mal ein Buch, denn Wer ist eigentlich Paul? ist das erste Buch zu der Romanreihe Maries Tagebuch.

Marie … Wer ist eigentlich Marie?...


… wäre dann die wohl nächste logische Frage. Marie ist eine Münchner Single-Frau und damit eigentlich recht zufrieden. Sie hat eine hübsche kleine Wohnung, mehrere Jobs mit denen sie sich ein doch recht gutes Leben inklusive Studium finanziert, einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, und nicht zuletzt hat sie Paul. Jedenfalls immer mal wieder. Denn Paul zeichnet sich vordergründig dadurch aus, lediglich Stippvisiten in Maries Leben zu geben.

Paul hingegen ist groß, blond, hat breite Schultern und ein charismatisches Äußeres. Ein Blick (oder eine SMS) von ihm genügen, um Marie immer wieder den Boden unter den Füßen zu entziehen. Charakteristisch für Maries Beziehung zu Paul sind kurze Augenblicke des Glücks und dann wieder lange Monate ohne auch nur dem geringsten Lebenszeichen von ihm.
Marie schwankt: Entweder es ist ihm was schlimmes passiert (Mord und Totschlag / Unfall) oder aber er kann sich schlicht nicht melden (Geheimdienstaktivitäten die so geheim sind, dass selbst Paul nicht weiß, was er eigentlich macht). Am unwahrscheinlichsten ist doch wohl, das er sich schlicht nicht bei ihr melden mag. Oder doch nicht? Also beschließt Marie, Paul rigoros aus ihrem Leben zu streichen. Mit Hilfe von Freunden funktioniert das auch recht gut, bis … ja … bis sich Paul wieder meldet.

Tagebuch schreiben – ein Mittel gegen alles ?!

So kommt es, das Marie beginnt, ihr Leben mit und um Paul aufzuzeichnen. Diese schriftlichen Selbstgespräche bieten dem Leser einen Blick in Maries Kopf. Da Marie auch vor sich selbst nichts beschönigt in ihren Aufzeichnungen und sich nicht zu schade ist, auch die größten –vermeindlichen- Fehler vor ihrer Leserschaft darzulegen, fällt es auch nicht schwer, sich mit Marie zu identifizieren. Oftmals führen die einzelnen Begebenheiten dem Leser seine eigene Vergangenheit vor Augen, und schnell stellt man beim schmökern fest: „Ich habe ja auch einen Paul!“

Der flüssige Stil, in dem Anette Göttlicher Maries Tagebuch verfasst hat, macht es dem Leser leicht, seine unmittelbare Umgebung zu vergessen und sich mit Marie zusammen ins Großstadtleben zu stürzen. Die vielen örtlichen Begebenheiten, die vielen Großstadteindrücke, und die vielen Plätze, die in Maries Tagebuch eingebracht, verarbeitet und vorgestellt werden, vermitteln dem Leser das Gefühl, München und Umgebung selbst zu kennen, auch wenn man noch nie selbst dort war.

Sicherlich ist Maries Tagebuch an manchen Stellen ein wenig überspitzt, und Marie selbst hier und da ein wenig sehr naiv dargestellt. Aber dennoch hat das Buch einen hohen Selbsterkennungswert bei dem Leser. Immer wieder wird man – oder Frau – für sich selbst feststellen, eine ähnliche Situation auch schon mal durchlebt zu haben. Dieses alltägliche in einer weniger alltäglichen Form zu finden, macht Spaß und bereitet ein paar sehr angenehme Lesestunden.

Marie selbst wird zu einer Art Freundin. Man lernt sie und ihre Eigenarten kennen, mag ihre Verrücktheiten und ist auch fähig, sie manchmal maßlos zu bedauern. Marie ist keine Fremde mehr und am Ende des ersten Bandes freut man sich auf ein Wiedersehen mit ihr – und vielleicht auch auf ein Wiedersehen mit Paul. Auch wenn man zum Schluß immer noch nicht so recht weiß, wer zum Geier Paul eigentlich nun ist…


- in: Rezension Liebesroman 470 mal gelesen

Mittwoch, 3. Januar 2007

Tierärztin Sandra Baum - Brigitte Brunner


Kurzbeschreibung:
Die junge Tierärztin Sandra Baum hält es nicht mehr aus: Zwei Jahre in der Großstadt sind mehr als genug. Kurz entschlossen nimmt sie eine Stelle im Allgäu an und macht sich voller Hoffnung auf in ihr neues Leben. Doch als sie in dem kleinen Ort Detting ankommt, ist dort alles anders, als sie es sich vorgestellt hat: Ihr Chef Dr. Pauly ist ein knurriger Sonderling, der mit Frauen nichts zu tun haben will, und die Bauern der Umgebung akzeptieren sie als Tierärztin schon gar nicht. Was kann sie, die Städterin, ihnen schon erzählen, was sie nicht viel besser wüssten? Mehr als einmal macht sich Sandra mit ihren neumodischen Methoden unbeliebt und will schon aufgeben, als etwas völlig Unerwartetes geschieht ...

Meine Meinung:

Sandra ist auf der Flucht – vor ihrer Vergangenheit. Diese Flucht führt sie ins wunderschöne Voralpenland wo sie hofft, sich endlich ihren Traum eine Landtierärztin zu sein, erfüllen kann. Doch sowohl ihr neuer Kollege als auch die Landwirte aus der Umgebung halten eine schlanke junge Frau, die nicht eben hünenhaft ist, für vollkommen ungeeignet. Außerdem können sie wunderbar auf die klugen Ratschläge aus Tiermedizinischen Fachbüchern, die Sandra ihnen gerne hält, verzichten.

Aber nicht nur negatives stürmt auf Sandra ein, in ihren ersten Tagen in Dettingen. So findet sie in ihrer Pensionswirtin schnell eine mütterliche Freundin, auch auf dem Reiterhof findet sie schnell Anschluss an Menschen, die sie an ihrer Leistung und nicht an ihrer Körpergröße messen. Doch Verena, die Freundin des Hofbetreibers, ist gegen Sandra, fürchtet sie doch in ihr eine Nebenbuhlerin gefunden zu haben…

Das Besondere an diesem Buch ist die versprochene Liebesgeschichte, die schon im Klappentext versprochen wird. Die Autorin steigert die Spannung immer weiter, in dem sie dem Leser zwar verrät, dass sich Sandra zu zwei Männern hingezogen fühlt, aber doch nie konkreter wird. Anstatt den Leser in eine neue Beziehung seiner Hauptperson zu entführen, ist es eher so, dass der Leser sich zusammen mit Sandra um eine Beziehung kümmern muss, die nicht mehr zu retten ist. Erst ganz zum Schluss, wird Sandra und dem Leser klar, dass die junge Tierärztin in Dettingen nicht nur die Geister der Vergangenheit vertrieben hat und ein neues Leben beginnen konnte, sondern auch, dass es eine neue Liebe geben wird.

- in: Rezension Liebesroman 432 mal gelesen

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