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Rezension Mystery

Mittwoch, 20. Mai 2009

[Rezension] Reptilia - Thomas Thiemeyer


Reptilia
Thiemeyer, Thomas
Seiten: 383
Bewertung:

Emily Palmbridge ist auf der Suche nach dem letzten Saurier auf der Erde: Mokéle M’Bembé. Auf der Suche nach ihm verliert sich ihre Spur jedoch irgendwo im afrikanischen Urwald und nur eine Videoaufzeichnung zeigt, dass sie wirklich die Bekanntschaft mit Mokéle M’Bembé gemacht hat. Doch so wie es aussieht hat der Saurier etwas gegen Besuch an seinem See…

Emilys Mutter, Lady Palmbridge, setzt seit dem Tode ihres Mannes alles daran, sein Lebenswerk fortzusetzen und ist weiter auf der Suche nach einem „neuen Immunsystem“ für den Menschen. Fatalerweise kann aber kein menschliches oder gar tierisches Immunsystem für dieses Neue der Superlative als Grundlage her halten. Und da Emily nun leider während der Jagd nach Mokéle verschwunden ist, muß sie jemand suchen. Lady Palmbridge scheut weder Kosten noch Mühen und stellt ein kleines Expeditionsteam zusammen, das nicht nur ihre Tochter finden soll, sondern am Besten auch gleich einen Teil von der Saurier DNA mit nach Hause bringt.

So weit, so gut. Afrika ist ja nun ein Kontinent auf den es mich persönlich gar nicht zieht. Weder physisch noch lesetechnisch. Aber hin und wieder mal etwas anderes ist ja auch für das Lesevergnügen nicht verkehrt. Und in der Vergangenheit habe ich schon zwei gute Bücher von Thomas Thiemeyer gelesen. Abenteuer erzählen kann er in der Regel ganz gut.
Dachte ich.

Reptilia kann mich leider überhaupt nicht überzeugen. Zum einen ist die Geschichte dermaßen an den Haaren herbei gezogen und konstruiert, dass sie mich einfach nur langweilt. Und dann interessiert es mich eigentlich auch gar nicht, ob der junge Genetiker David Astbury ein Bindungsproblem hat und zu mehr als oberflächlichen Bettgeschichten scheinbar nicht fähig ist. Aber der Mann ist halt eines der armen Geschöpfe, die nicht nur ihr Leben lang einer Frau hinterher trauern, die sie als Teenager einmal geküsst haben, sondern der auch noch als junger Bursche von seinem Vater quer durch die afrikanische Weltgeschichte geschleift wurde, weil es dem alten Herren zu Hause in good old England zu eng wurde. Mit seinen Mitdreißigern fühlt sich David ergo in seinem abgeschlossenen Forschungslabor am wohlsten und liebt seinen Assistentenposten sehr, auch wenn der ihn eigentlich unterfordert.

Dummerweise kommt man David auch sonst nicht näher und ist als Leser nicht in der Lage eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Und auch nicht zu irgendeiner X-beliebigen anderen handelnden Persönlichkeit. Irgendwie sind alle extrem naiv, gerade auch was die geplante Expedition angeht. David selber merkt nicht mal, wie er gekauft wird und fragt auch nicht nach, als ihm bewusst wird, dass etwas an dieser Expedition faul sein könnte. Seine beiden Kompagnons Steward Maloney und Sixpence sind zwar erfahrene Großwildjäger und vereinen scheinbar eine Art Robinson Crusoe und Freitag als auch ein bisschen was von Indiana Jones in sich, sind aber ebenso naiv wie intrigant. Das Team komplettiert dann Elieshi n’Garong, die der Meinung ist, sie befände sich auf einer Expedition um eine neue Elefantenart zu erforschen.

Die Handlung holpert also munter vor sich und wird auch nicht dadurch besser, dass sie noch einen Eingeborenen aus dem tiefsten Urwald Afrikas ein schließt, der mit traditionellen Geschichten sowohl über den Zwergelefanten als auch über den Saurier nicht hinterm Berg hält.

Letzten Endes kann man dieses Buch also getrost links liegen lassen, denn sowohl Medusa als auch Magma sind Bücher, in denen Thomas Thiemeyer sein Können eher unter Beweis stellt.


- in: Rezension Mystery 226 mal gelesen

Freitag, 24. April 2009

[Rezension] Das Herz des Dämons - Lynn Raven


Das Herz des Dämons
Raven, Lynn
Seiten: 335
Bewertung:

Kurzbeschreibung:

Verliebt in den Vampir? Es sieht so aus, als könnten Dawn und ihr Freund der rätselhafte und attraktive Highschool-Rebell Julien endlich ihr Glück genießen. Doch dann beginnt in einer Stadt ganz in ihrer Nähe eine grausame Menschenjagd. Und den Anführer des Rachefeldzugs verbindet mit Julien eine jahrzehntelange Feindschaft.


Seit den Ereignissen von „Der Kuss des Dämons“ ist noch nicht viel Zeit vergangen, doch Julien und Dawn können zu Beginn des zweiten Bandes ein bisschen verschnaufen. Nachdem Tod von Dawns „Onkel“ Samuel haben die Fürsten Vlad, Mircea und Radu die Vormundschaft über Dawn übernommen und halten ihre Hände schützend über sie. Doch Julien wird nach wie vor von den Lamia Fürsten lediglich als Leibwächter der Princessa Strigoja geduldet. Was im ersten Moment nicht unbedingt ein Problem sein muß, denn ob Dawn überhaupt noch die Wandlung zur Lamia durchmachen wird, ist mehr als fraglich.
Außerdem ist Julien immer noch auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder Adrien, der nach wie vor von der Bildfläche verschwunden ist, und von dem man derzeit nur weiß, dass sein letzter Auftrag lautete, die Princessa Strigoja zu töten…
Dann überschlagen sich die Ereignisse. Im Nachbarort treibt sich ein Triebtäter herum, der junge Frauen vergewaltigt und tötet; Vlad taucht bei Dawn und Julien auf um seiner Nichte mitzuteilen, dass sie verheiratet werden soll; Julien erhält mysteriöse SMS bezüglich des Aufenthaltsortes von Adrien; und irgendwie läuft sowieso alles schief.

Wie schon im ersten Teil der Reihe bekommt der Leser auch Adriens Gesichte mit, die immer mal wieder Platz zwischen den Episoden aus Dawns und Juliens Leben einnimmt. Allerdings stören diese Einschübe überhaupt nicht, da es faszinierend ist zu erfahren, wie es dem verschwundenen Zwilling ergeht und wie nahe sich die beiden sind.
Aufgefallen ist mir außerdem, dass sich nicht nur die Personen in diesem Roman weiter entwickeln, sondern auch die Beziehungen, die zwischen ihnen herrschen. Dawn ist selbstständig und selbstbewusst genug, sich auch mal gegen Julien aufzulehnen und ihren Kopf durchzusetzen, während sie gleichzeitig einsehen muß, dass ihr nicht nur Vorteile durch die Bekanntschaft mit ihm entstehen. Gerade ihre Freundschaft zu Neal ist doch arg in Mitleidenschaft gezogen worden, der nicht damit umgehen kann, dass sie seine Gefühle nicht erwidert.

Lynn Raven legt durchaus Wert darauf, dass ihre Geschichte logisch und in sich schlüssig beim Leser ankommt. Die gesamte Geschichte an sich verdichtet sich, weil man nun auch endlich mal etwas über die Gemeinschaft der Lamia und ihre Entstehung erfährt, was die Lamia von den Vampiren unterscheidet und welche Stellung Adrien und Julien innerhalb der Lamia Gesellschaft einnehmen. Das die Zwillinge nun auch eine sehr konkrete Vergangenheit bekommen, indem Julien Dawn etwas über sich selber erzählt, macht das Ganze endlich „rund“.

Was mir wirklich gut gefällt, ist die Tatsache, dass das Buch nicht mit einem dieser fürchterlichen Cliffhanger endet. Sicherlich bleiben ein paar Fragen offen. Aber auf eine freundliche Art und Weise, die mich zufrieden und entspannt zurück lässt.


- in: Rezension Mystery 298 mal gelesen

Dienstag, 17. März 2009

[Kurzrezi] Bis(s) zum Ende der Nacht - Stephenie Meyer


Meyer, Stephenie
Jugendroman,
Vampire
Seiten: 788
Bewertung:

Schlimmer geht's nimmer

Der letzte Teil der Serie um Bella und Edward. Lange hatte ich drauf gewartet. Schwer gespannt war ich. Und voller Elan, endlich zu erfahren, wie und ob Bella zum Vampir wird, wie sie mit dieser Veränderung fertig werden würde, und was sie für Erlebnisse in ihrer neuen Umgebung machen würde. Denn nach der Verwandlung mußten sie ja aus Forks weg... so der Plan.

Der Plan sah auch vor, dass ich vollkommen gefesselt von dem Buch das nachfolgende Wochenende auf der Couch verbringen würde. Atemlos von Seite zu Seite wollte ich hetzen. Und zum Schluß vielleicht ein bißchen schniefen, beim Gedanken, dass es nach diesem Band keinen weiteren Band um Bella und Edward mehr geben würde.

Mir ging es wie Bella und Edward. Aus meinem schönen Plan wurde nix.

Die ersten 125 Seiten flogen nur so dahin. Gleich zu Beginn war es wieder da, dieses "Bella und Edward Feeling". 125 Seiten durfte ich mit beiden glücklich sein. Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf.

Ich weiß wirklich nicht, was sich die Autorin dabei gedacht hat. Dieses Buch toppt echt alles bis jetzt da gewesene. Freundlich ausgedrückt könnte man sagen, ihr ist die Feder durchgegangen. Ich bin aber nicht freundlich. Frau Meyer hätte für dieses Buch den 1. Preis für das kaputt schreiben einer Serie verdient.

Ich bin wirklich froh, dass ich mit diesem Band diese Geschichte für mich abhaken kann. Was als Knaller begann ist mit dem letzten Teil der Reihe einfach verpufft...

Meine zwei Sterne Wertung ist darin begründet, dass ich die Figuren 3 Bücher wirklich geliebt habe und dass ich es einfach nicht übers Herz bringe, hier einen halben Stern zu vergeben.


- in: Rezension Mystery 133 mal gelesen

Montag, 15. Dezember 2008

[Rezension] Morgenrot - Tanja Heitmann

Seiten: 480
Verlag: Heyne
Ausgabe: Hardcover
Preis: 17,95€
ISBN: 978-3453266056
ET: 10.2008
Bewertung:

Leas Professor für Literatur hat es sich zur Gewohnheit gemacht, seine besten Studenten hin und wieder zu einem kleinen Diskussionszirkel zu sich nach Hause zu laden. Trotz einiger sprachlicher Barrieren, auf die Lea immer wieder in ihrem Auslandssemester stößt, gehört sie zu den Auserwählten für diesen Kreis. Im Haus des Professors begegnet sie Adam zum ersten Mal. Auf Anhieb ist sie von dem jungen Mann fasziniert. Er verfügt nicht nur über einen großartigen Charme, sondern scheint gerade in der Literatur und den musikalischen Künsten überaus bewandert. Doch er ist auch ein stiller Zeitgenosse, der sich nur gelegentlich mal zu einer Äußerung herablässt und die meiste Zeit des Abends – ebenso wie Lea – lieber die anderen sprechen lässt. Doch schon ein oder zwei Sätze von Adam reichen aus, um Leas bisheriges Leben auf den Kopf zu stellen. Plötzlich scheint sich ihre ganze Welt nur noch um den smarten Adam zu drehen…


Der Klappentext zu diesem Buch verspricht ein Lesevergnügen, das ähnlich groß sein soll, wie bei den Büchern der Bis(s)… - Reihe von Stephenie Meyer. Große Worte. Dementsprechend hoch ist natürlich auch die Erwartungshaltung mit der der Leser sich an dieses Buch macht.
Morgenrot ist der Auftakt zu einer weiteren Serie, welche sich um die Liebe zwischen einem Vampir und einer sterblichen drehen soll. Viel versprechend. Zumindest dann, wenn man dem Zauber der Vampire haltlos verfallen ist.

Tanja Heitmann bemüht sich in ihrem Erstling um eine ruhige, flüssige und leichtverständliche Sprache. Leider schafft sie es dabei nicht so recht, das Kopfkino ihrer Leser anzukurbeln. Zwar schafft sie es durchaus, die eine oder andere Begebenheit sehr farbenprächtig zu schildern, den einen oder anderen Handlungsort so detailliert zu beschreiben, dass man sich mühelos an diese Stelle denken kann, aber es fehlt das gewisse Etwas.

Der Aufbau der Geschichte ist verwirrend. Der Leser begegnet Lea als erstes in der Gegenwart, wo sie mit einer Freundin einen Kneipenbummel macht, während dem sie auf Adam treffen und es klar wird, dass Adam und Lea sich kennen, aber Lea keinen größeren Wert auf eine Erneuerung der Bekanntschaft legt. Im nächsten Kapitel erlebt man Lea als Studentin, die ganz offensichtlich ein Auslandssemester absolviert. Leider wird aber nicht klar, in welchem Land Lea sich befindet. Zwar wird die Landschaft ein bisschen beschrieben und Anhand der Namen der Figuren, die man kennen lernt, könnte man die möglichen Länder auch in ihrer Anzahl einschränken, aber Gewissheit bekommt der Leser nicht. Ebenso bleibt die Frage offen, wie Lea es geschafft hat, an dieses Auslandssemester zu kommen. Man sollte ja meinen, das Austauschstudenten wenigstens soviel von der Landessprache verstehen sollte, dass sie ohne größere Probleme den Vorlesungen folgen können – aber tatsächlich muss sich unsere Heldin auf ein Essen in einem Restaurant mit dem Wörterbuch vorbereiten… Diese und einige weitere Ungereimtheiten stören schon ein wenig den Spaß am lesen.

Sicherlich sind ein paar recht interessante Figuren in dem Buch vertreten, aber leider haben sie keine Möglichkeit, den Leser zu erreichen. Sie bleiben Facetten- und Farblos und auch wenn sie direkt im Vordergrund agieren, sind sie nicht dazu angetan, den Leser lange zu beschäftigen. Es ist noch nicht mal, dass sie keine Ecken und Kanten hätten, wie es so schön heißt. Sie sind einfach langweilig. Ihre Handlungsweise kann man zwar in der Regel nachvollziehen, aber auch das reißt das Buch letzten Endes nicht mehr aus dem Sumpf der Bücher, die man zwar gut einmal lesen kann, danach aber vergisst und auch kein zweites Mal mehr zur Hand nimmt.

Die Handlung als solche ist ziemlich konfus. Da der Leser eigentlich nie weiß, in welcher Zeit der Handlung er sich gerade aufhält, fällt es oftmals einfach schwer, Zusammenhänge zu verstehen. Der Wechsel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit ist ziemlich rasant und leider wurde wohl ganz einfach vergessen, einen dezenten Hinweis auf die aktuellen Zeiten zu geben. Wenn das tatsächlich ein gewollter Effekt ist, der eventuell die Spannung der Geschichte erhöhen soll, so ist er leider vollkommen fehlgeschlagen. Der Spannungsbogen, der sowieso nur minimal vorhanden ist, hat von der Zeitenspringerei gar nichts.

Interessant ist dann allerdings, dass der Leser sich ein weiters Mal mit einer neuen Art des Vampirs auseinander setzen kann. Tanja Heitmanns Vampire verfügen zwar zum Teil über die gängigen Vampirklischees, können sich ansonsten aber recht frei bewegen. Es bedarf zum Beispiel nicht mehr dem schnöden Biss in die Kehle eines Menschen, um ihn in eine Kreatur der Nacht zu verwandeln. Auch ist noch lange nicht jeder Mensch dazu geeignet, sich in einen Vampir zu verwandeln. Viele Menschen wären grundsätzlich zu schwach, einen solchen Dämon in sich zu tragen und ihm ein guter Wirt zu sein. Trotzdem gibt es Menschen, die unbedingt verwandelt werden möchten, ob sie nun stark genug sind, oder nicht. Was aus solchen Fehlgeschlagenen Verwandlungen resultiert, erfährt der Leser im Verlauf des Buches.

Ist dieser Roman nun also lesenswert?
Bedingt schon. Die Art der hier vorgestellten Vampire ist interessant, zumal sie sich eigentlich niemals selber als solche bezeichnen. Die Problematik, der sich Adam und Lea innerhalb der Geschichte stellen müssen, hat bestimmt auch ihren Reiz. Wenn man darüber hinweg sehen kann, dass sich nun eben nicht alles akkurat in ein gewünschtes Muster pressen lässt, man keine Probleme mit dem einen oder anderen Logikfehler hat und sich nicht von dem Versprechen des Klappentextes irre leiten lässt, könnte das Buch durchaus dem einen oder anderen Leser gefallen.

Allerdings wird Morgenrot niemals einem direkten Vergleich mit den Bänden der Bis(s)… - Reihe standhalten. Die versprochene Liebesgeschichte zwischen Lea und Adam ist im Grunde gar nicht existent, da es sich ganz offensichtlich um erzwungene und vorgetäuschte Gefühle zwischen den beiden handelt. Ebenso vermögen Tanja Heitmanns Charaktere auch nicht die gleichen Emotionen hervorzurufen, wie es Bella und Edward schaffen.
Morgenrot ist schon vom Grundtenor her ein sehr düsteres Buch. Dafür, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, sind einige der beschriebenen Szenen überaus aggressiv und blutrünstig.

Ob es sich lohnt, einen Folgeband zu lesen, bleibt ohne Frage jedem selbst überlassen.


- in: Rezension Mystery 405 mal gelesen

Montag, 20. Oktober 2008

[Kurzrezension] Untot in Dallas - Charlaine Harris

Untot in Dallas
Harris, Charlaine
Seiten: 283
Bewertung:

Seitdem Bill zu Sookies Leben gehört, hat sich für die hübsche Kellnerin einiges geändert. Langsam hält der Alltag Einzug in die Zweisamkeit von Bill und ihr und damit gibt es auch schon mal Meinungsverschiedenheiten und Streit. Nach so einem Streit mit ihrem Liebsten wird Sookie von einem übernatürlichen Wesen nachts auf der Landstraße angegriffen und schwer verwundet. Nur die Vampire aus Bon Temps können sie noch retten, und so steht Sookie plötzlich in ihrer Schuld. So kommt es, dass sie und Bill nach Dallas reisen müssen, um dem dortigen Vampiroberhaupt bei der Suche nach einem verschwundenen Vampir zu helfen. Bei dieser Gelegenheit enttarnt Sookie dann auch noch einen Maulwurf, was ihren Aufenthalt in der Großstadt nicht unbedingt friedlicher gestaltet...

In diesem Band geht es vermehrt um Sookie, die zwar von Bill nach Dallas begleitet wird, doch über Tag alleine ihrer Aufgabe nachgeht. Da jedoch nicht nur aus dem Lager der Vampire Gefahren drohen, sondern auch einige Menschen dazu neigen, Sookie in Schwierigkeiten zu bringen, sind ihre Tage nicht ungefährlich. Auf sich gestellt muss sie versuchen, der Lage Herrin zu werden, was sich ein bisschen negativ auf die Randfiguren der Handlung ausweitet. Sie kommen ganz einfach zu kurz.

Auch fehlt es ein bisschen an der heimeligen Atmosphäre, die die Kleinstadt Bon Temps im ersten Teil der Serie hervorgerufen hat. Dallas ist zwar ein sehr interessanter Ort, und herauszufinden, wie Vampire verreisen ist sicherlich auch nicht uninteressant, dennoch weist Untot in Dallas ein paar Längen auf.

Lediglich Sookie entwickelt sich in diesem Band ein kleines Stückchen weiter. Sie kommt besser mit ihrer Telepathie zu recht, und durch die Beziehung zu Bill scheint sie auch ein Stück gereift zu sein. Aber Bill bleibt im Hintergrund. Vom ihm bekommt man dieses Mal nicht allzu viel mit. Dennoch hat man das gesamte Buch über das Gefühl, dass in ihm etwas gärt, das er eine Entwicklung durch macht, die man als Leser nicht zu fassen bekommt und von der man auch kein klares Bild erhält.

Ergo:
Untot in Dallas macht Spaß, keine Frage. Aber es fehlt ein bisschen die Leichtigkeit des ersten Bands, ebenso wie die lockere und kribbelnde Atmosphäre zwischen Sookie und Bill. Darum gibt es in der Endwertung auch einen halben Stern Abzug.


- in: Rezension Mystery 174 mal gelesen

[Kurzrezension] Vorübergehend tot - Charlaine Harris

Vorübergehend tot
Harris, Charlaine
Seiten: 328
Bewertung:

Sookie Stackhouse lebt in einer amerikanischen Kleinstadt zu einer Zeit, in der Vampire nichts Ungewöhnliches mehr sind. Ganz ungeniert mischen sie sich des Nachts unter das menschliche Volk. Einige bemühen sich ganz offensichtlich, ein bürgerliches Leben zu führen. Zu ihnen gehört auch Bill, der eines Abends in Sookies Leben tritt und einigen Gefallen an der etwas kuriosen Kellnerin findet. Denn auch Sookie ist nicht ganz so normal, wie andere Menschen. Sie kann Gedanken lesen, was ihr Leben in der Regel eher verkompliziert denn erleichtert. Und als dann auch noch ein paar Mordfälle in Bon Tempes zu beklagen sind, die ganz offensichtlich die Handschrift eines Vampirs trägt, gerät Sookie auch noch zwischen die Fronten.

In letzter Zeit gibt es unheimlich viele Vampirromane auf dem Markt. Einige zeichnen sich durchweg durch Vampire aus, die quasi generalüberholt wurden und nun über für ihre Spezies vollkommen untypische Fähigkeiten verfügen.
Bei Charlaine Harris ist das nur bedingt der Fall. Ihre Vampire leben zwar offen unter den Menschen, bemühen sich aber dennoch, unter sich zu bleiben. Ihre Fähigkeiten sind jedoch überwiegend die, die man als die traditionellen Vampirfähigkeiten kennt. Das macht auch das lesen zu einem Vergnügen, muss man sich nicht erst mit einer komplett neuen Welt anfreunden.

Ihre Charaktere zeichnet Harris der Situation angemessen. Sookie näher zu kommen und sie ins Herz zu schließen fällt nicht schwer, denn sie ist eine durch und durch liebenswerte Person, die immer und überall nur Gutes tun möchte, selbst dann, wenn sie sich wieder einmal neuen Anfeindungen ihrer Mitmenschen ausgesetzt sieht. Trotzdem bleibt gerade Sookie auch ein bisschen weit weg. Was sich jetzt wie ein Widerspruch in sich anhört, ist aber keiner, denn auf diese Weise bleibt ihr die Möglichkeit, sich in den noch folgenden Bänden weiter zu entwickeln.
Eine Möglichkeit, die im übrigen auch alle anderen Charakter offen steht.


Ergo:
Ein wirklich viel versprechender Serienauftakt. Man darf gespannt sein, wie es mit den etwas skurrilen Südstaaten-Vampir-Krimis weiter geht.



- in: Rezension Mystery 167 mal gelesen

Montag, 10. März 2008

Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht - Nancy Atherton


Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Atherton, Nancy
Mystery
Seiten: 352
Bewertung:


Emma Porter, gerade frisch getrennt, reist alleine durch England um sich alte Herrenhäuser und vor allem die dazu gehörige Gärten anzusehen. Die Gärtnerei ist ihr großes Hobby und oftmals findet sie Trost und Geborgenheit, wenn sie in der Erde wühlt, Pflanzen pflegt oder neue Gärten anlegt.

Wie es der Zufall – oder doch eher Tante Dimity? – so möchte, trifft sie während eines Parkbesuchs auf die etwas schrägen Pym – Zwillingsschwestern. Die beiden alten Damen, die ganz aus der „guten, alten Zeit“ zu stammen scheinen, empfehlen ihr den Besuch eines alten Schlosses in Cornwall – Penford Hall.

In Penford Hall wird sie scheinbar schon sehnsüchtig vom Schlossherren selbst erwartet, der sie mit der Aufgabe betraut, sich einem alten Kapellengarten anzunehmen, der seit dem Tod seiner Großmutter nicht mehr gepflegt worden ist. Obwohl Emma zuerst zögert, ist sie doch von der Aufgabe, die ihr gestellt wird, angetan, und so stimmt sie zu, eine Weile in Penford Hall zu bleiben.

Hier lernt sie nicht nur weitere recht skurille Mitglieder des Haushalts kennen, sondern auch Derek Harris, einen Freund von Grayson Alexander, dem Herzog von Penford Hall, der sich um ein buntes Glasfenster in der Kapelle des Schlosses restaurieren soll, kennen. Gemeinsam mit seinen beiden Kindern, Nell und Peter, wohnt er ebenfalls in dem dunklen Gemäuer. Und wie es aussieht, möchte Tante Dimity nicht nur, dass Grayson in Penford Hall endlich glücklich wird, sondern auch, dass zwei Herzen zueinander finden…

Chronologisch gesehen müsste man „Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht“ eigentlich vor „Tante Dimity und das geheimnisvolle Erben“ lesen. Nancy Atherton scheint sich jedoch etwas dabei gedacht zu haben, diese Reihenfolge zu wählen, und im nachhinein spielt die chronologische Reihenfolge keine wichtige Rolle. Die Serie hätte sogar ihren Reiz verloren, wenn es nicht diesen Rückblick in Form des zweiten Bandes geben würde.
Sowohl die Pyms als auch Emma und Derek tauchen im ersten Band auf, um Lori Shepard – die in diesem Roman leider nicht auftaucht – auf ihre Weise dabei zu helfen, Dimitys letzten Wunsch zu erfüllen.

Vordergründig geht es in diesem Roman wieder um einen vermeintlichen Kriminalfall, der gelöst werden möchte. Wie schon im ersten Band taucht Tante Dimity auch in diesem nur mehr oder weniger am Rande auf, als Teil einer Erinnerung oder in einem Gespräch. Der Leser bekommt sie wieder nicht zu fassen und obwohl sich Dimity guter Gesundheit erfreut und quicklebendig ist, erscheint sie nur einmal ganz kurz auf der Bildfläche.

Wie schon der erst zu „lösende“ Fall ist auch dieser hier weniger spektakulär, dafür aber mytisch – mystisch angehaucht. Und im Grunde geht es wieder nur darum, dass Dimity für die Menschen in ihrer Umgebung nur das Beste möchte und alles daran setzt, Friede und Liebe in die Welt zu bringen. Einen solchen Engel hätte wohl jeder gerne in seinem Leben.

Spielte in „Tante Dimity und das geheimnisvolle Erbe“ noch Reginald, der rosa Hase Loris, eine tragende Rolle, so bekommt er in diesem Buch einen Bruder – Bertie. Bertie, der braune Bär von Nell, scheint ebenso wunderbar zu sein wie Reginald. Sicherlich mag das in den Augen des einen oder anderen ein wenig seltsam anmuten, aber scheinbar sind Dimitys Stofftiere eine Art Runnig Gag, die sicherlich als Synonym dafür stehen, dass nicht nur Lori mit „Tante-Dimity-Geschichten“ bedacht wurde.

Sehr schön ist es, die Geschichten von Emma und Derek zu erfahren, dadurch erhalten die folgenden Bände mehr tiefe. Nancy Athertons Charaktere haben eine Vergangenheit und eine Zukunft, und nur wenn sie aus der Vergangenheit lernen, können sie in der Zukunft bestehen – und weitere Abenteuer gemeinsam mit der mittlerweile verstorbenen Dimity erleben.

Warum diese Bücher als Krimis eingeordnet werden, bleibt unklar. Viel mehr sind sie eine Art Märchen für Erwachsene, die man am Besten mit einer Kanne Tee, eingekuschelt in eine bequeme Decke, genießt. Denn diese Wohlfühlatmosphäre, die die Autorin mit jedem Band auf ein Neues erschafft, lässt sich nur schwer anderswo finden.


- in: Rezension Mystery 772 mal gelesen

Donnerstag, 6. März 2008

Tante Dimity und das geheimnisvolle Erbe - Nancy Atherton



Lori Shepard fühlt sich vom Leben gebeutelt. Die von ihrer Mutter allein großgezogene Halbwaise, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und bemüht sich gerade, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen, als auch ihre Mutter verstirbt. Durch diesen Schicksalsschlag scheint Lori plötzlich so gar keine Perspektive mehr zu haben. Da kommt ihr das Schreiben einer Anwaltskanzlei ungefähr so gelegen wie Fußpilz.

Mit einem mulmigen Gefühl und den bösesten Vorahnungen bewaffnet, begibt sich Lori zu ihrem Termin in die Anwaltskanzlei und erlebt eine Überraschung. Tante Dimity, die stets gut gelaunte Dame, die ihr jeden Abend das Einschlafen zu Kinderzeiten versüßt hat, ist gestorben und möchte nun, dass Lori ihr einen letzten Wunsch erfüllt. Einigermaßen geschockt ob der Tatsache, dass die Heldin ihrer Kindheit und fälschlicherweise als Märchenfigur abgestempelte Dame tatsächlich gelebt hat, macht Lori sich daran, Tante Dimity ihren letzten Wunsch zu erfüllen.

So begibt sie sich – gemeinsam mit dem Sohn ihres Anwalts – nach England in Dimitys Cottage, um ihrer Aufgabe nach zu kommen. In Dimitys Cottage schließlich lernt Lori nicht nur vieles über ihre neue alte, wenn auch leider verstorbene, Freundin; sondern auch über ihre Mutter und über sich selbst.

Es ist schwer, die Tante Dimity Bücher in ein Genre einzuordnen. Zwar werden sie häufig unter Krimi einsortiert, aber wer hier blutige Morde, verstümmelte Leichen und mehr oder weniger perfekt geplante Verbrechen vermutet, ist auf dem Holzweg. In diesem Band geht es ausschließlich darum, das Geheimnis um Tante Dimity zu lüften und zu verstehen, wer diese liebenswürdige und vollkommen selbstlose Frau war, die sich so gar nicht mit ihrem Tod abfinden kann und noch aus dem Jenseits die Zügel mit geschickter Hand führt.

Nancy Atherton verknüpft hier auf verblüffende Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit. Nichts weltbewegendes, so etwas ist schon tausendmal da gewesen, wird sich an dieser Stelle wohl der eine oder andere sagen. Aber weit gefehlt! Lori muß sich auf eine Reise in die Zeit des Zweiten Weltkriegs begeben, in die Zeit, in der sich ihre Mutter und Dimity kennen gelernt haben. Mit Hilfe von unzähligen Briefen, die sich die Freundinnen im laufe ihres Lebens geschrieben haben, kommt Lori dem Geheimnis um Dimity und der Geschichten ihrer Kindheit immer näher.

Ihre Figuren hat Nancy Atherton gekonnt in Szene gesetzt und lässt sie im Verlauf der Geschichte immer klarer werden. Sie bestehen dadurch, dass sie alle Ecken und Kanten haben, Wünsche und Hoffnungen, die sich nicht immer erfüllen. Sie müssen Schicksalsschläge bewältigen und an den Folgen ihres Handelns wachsen. Doch das schaffen sie in einer so wunderbar entspannenden Atmosphäre, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen und auch nur einen Moment lang über etwas anders nach zu denken.

Wenn Lori letzten Endes das Geheimnis um Tante Dimity löst, wird sie nicht nur die Vergangenheit besser verstehen, sondern auch mit ganz neuen Augen in ihre Zukunft blicken.





- in: Rezension Mystery 444 mal gelesen

Freitag, 21. September 2007

Nachtjagd. Black Dagger 1 - J. R. Ward



Vampire erscheinen in letzter Zeit überall auf der Welt auf der Bildfläche. In Transylvaninen sowieso und neuerdings auch vermehrt in den USA, ob es nun am Höllenschlund in Sunnydale, Kalifornien, ist oder in Forks, Washington, oder in Caldwell, New York.
Diese modernen Vampire kann man nur noch schlecht mit Dracula und Co vergleichen. Seit diesen Urvätern der Vampire hat sich die Spezies immer weiter entwickelt und gerade in der Black Dagger Serie von J. R. Ward lernt der Leser eine ganz neue Art Vampir kennen.

Vampire als Beschützer

In Caldwell, NY, haben die Vampire weit mehr zu tun, als sich nur die leckersten Menschen aus der Bevölkerung auszusuchen um ihren Hunger an ihnen zu stillen. Sie müssen sich verteidigen, denn die Lesser, ihres Zeichens menschliche Vampirjäger ohne Seele, setzen ihnen arg zu. Und ganz nebenbei bemerkt taugen die herkömmlichen Menschen auch kaum dazu, den Blutdurst eines Vampirs zu stillen. Dieses vampirische Verhalten ist ganz eindeutig ein Ammenmärchen und gehört eigentlich ausgemerzt – wie so viele weitere Ammenmärchen im Bezug auf die Spezies Vampir ebenfalls. Im Grunde sind Vampire eine Minderheit, die sich jetzt selbst schützen muß indem sich die besten ihrer Krieger zu einer Bruderschaft zusammen schließen: Den Black Dagger.

Der Bruderschaft steht der höchste Vampir vor, nämlich Wrath. Wrath ist nicht nur der Anführer der Black Dagger sondern auch der König der Vampire. Er ist der einzige, der noch reines Vampirblut in seinen Adern führt und dadurch zum mächstigsten Vampir überhaupt wird. Wrath und seine Brüder haben es sich also zur Aufgabe gemacht, sich und die anderen Vampire vor den Lessern zu schützen, ebenso wie sie sich vor den Menschen zu schützen suchen. Doch das gelingt nicht immer und ab und an kommt es sogar vor, dass sich ein Vampir in einen Menschen verliebt. Wenn aus einer solchen Mischpartnerschaft dann auch noch ein Kind entsteht, stehen die Chancen für das kleine Wesen gut, auf der Welt nicht lange zu überleben. Zu groß sind die Unterschiede zwischen Mensch und Vampir. Dennoch gibt es immer mal wieder stärkere Kinder, die trotz aller Unbill das erwachsenen Alter erreichen. Und dann wird es kritisch. Denn Vampire werden zwei Mal geboren, einmal als Baby und einmal im Alter von ungefähr 25 Jahren. Dann nämlich übernimmt der Vampir im Menschen die Kontrolle und der bislang recht normale Mensch wird durch die sogenannte Transition zum Vampir…

Der Vampirmythos bekommt ein neues Gewand

J. R. Ward ist in Amerika bekannt als Autorin von Liebesromanen. In ihrer Black Dagger Reihe vermischt sie Fantasy- und Mysteryelemente mit denen eines Liebesroman und würzt das Ganze mit einer Portion Kriminalroman. Was aus dieser ungewöhnlich anmutenden Mischung entsteht, kennt man im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Fantasy Romance“. Ein Genre, das sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut.

Die Black Dagger sind die stärksten der letzten Vampire, die noch auf der Erde leben. Und ihr Überleben hängt nicht unmaßgeblich von den Erfolgen der Bruderschaft ab, die sie gegen ihre – im wahrsten Sinne des Wortes – Todfeinde, die Lesser, zu verbuchen haben.
J. R. Ward hat sich aber für ihre Vampire noch ein bisschen mehr ausgedacht, als nur den bösen Gegenspieler. Sie hat der Gemeinschaft der Vampire – aller Vampire und nicht nur den Anhängern der Black Dagger – eine neue Strukturierung gegeben und die Blutsauger damit quasi Salonfähig gemacht. Sowohl Wrath als auch alle Vampire, die einem im Verlauf der Geschichte über den Weg laufen, haben extrem menschliche Charakterzüge und Vorstellungen von all dessen, was sie tun. Sie gründen Familien, bilden Lebensgemeinschaften und passen gegenseitig auf einander auf. Das alles sind ganz neue Seiten am Mythos des Vampirs.

Neben all diesen menschlichen Aspekten des Buches fehlt es aber auch nicht an Fantasyelementen. Um all die Neuerungen rund um die Spezies Vampir verstehen zu können, findet sich vorne im Buch ein sehr ausführliches Glossar, das den Einstieg in diese etwas andere Vampirgeschichte bildet.
Was den modernen Vampiren allerdings erhalten geblieben ist, ist ihre erotische Ausstrahlung und ihr verführerisches Wesen. So kommt es im Verlauf der Geschichte immer mal wieder zu erotischen Szenen, die zwar nicht den Lesefluss des Buches hemmen oder den Verlauf der zu erzählenden Geschichte unnötig aufhalten, die aber auch nicht maßgeblich für den Inhalt der Gesichte sind. Sie sind einzig und allein wohl ein Zugeständnis an das romantische Genre und unterstreichen höchstens noch den Charakter der Vampire.

Die Figuren in dem Buch sind nicht übermäßig ausgeprägt gezeichnet, und bleiben zumeist eher Oberflächlich. Die wahren Charakterzüge der einzelnen Persönlichkeiten kann man nur schwer erkennen, da dem Leser wenig Möglichkeiten gegeben werden, sich intensiver mit einer Figur und ihrer Gefühlswelt zu beschäftigen; alle Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten, bleiben einem aber doch fremd. Das ist schade, denn Potential wäre alle Male vorhanden.

Was weiterhin störend wirken kann, ist dass der Verlag aus einem Band im englischen zwei deutschsprachige Bände gemacht hat. Dadurch findet der erste Band ein sehr abruptes Ende und lässt den Leser einigermaßen frustriert zurück. Empfehlenswert wäre es also, sich immer gleich zwei Bände der Serie zuzulegen, damit beim lesen nicht das Gefühl entsteht, um ein ordentliches Ende der Story betrogen worden zu sein.



- in: Rezension Mystery 2212 mal gelesen

Donnerstag, 15. März 2007

Eileens Geheimnis - Corinna Kastner




Blinden Menschen wird nachgesagt, dass sie durch ihre Behinderung andere Sinne schärfen. Bei den einen ist es der Tastsinn, bei den anderen der Geruchs- oder Orientierungssinn. Nathalie scheint eine Ausnahme darzustellen, denn neben einem ausgeprägten Geruchs- und Orientierungssinn hat sie noch eine Fähigkeit – sie reagiert sehr sensibel auf die Vergangenheit…

Ein steiniger Weg

Nathalie ist jung, hübsch und in ihrem Beruf erfolgreich als das Schicksal mit Macht und Gewalt über sie hereinbricht. Sie verliert durch einen Unfall ihr Augenlicht und muss sich von einem Tag auf den anderen mit einem ganz neuen Leben abfinden.

Das anfängliche Selbstmitleid überwindet sie, als sie wieder einer Aufgabe nachgehen kann, die ihre Kreativität fördert. Sie arbeitet aus Speckstein Skulpturen die sie verkauft und von deren Erlös sie ein Stück Unabhängigkeit zurück bekommt. Mit dem Einzug in die eigene Wohnung beginnt für die blinde Frau ein Abenteuer, das über die bloße Bewältigung des Alltags hinausgeht.

Sie lernt neue Leute kennen und mit dem charismatischen Raymond findet ein Mann einen Weg in Nathalies Leben, der mehr werden könnte, als ein bloßer Freund. Doch Raymond wird nach England gerufen, zu seinem alten Studienfreund Daniel, der vor einem großen Rätsel steht und den Franzosen um seine Hilfe bei Recherchearbeiten bittet, die weit zurück in die Vergangenheit reichen.

Gemeinsam mit Nathalie fahren die beiden Männer auf die Kanalinsel Guernsey, welche Dreh- und Angelpunkt des Rätsels darzustellen scheint, an dessen Aufklärung die drei fortan arbeiten.

Mystery, Thriller und Liebesgeschichte reichen sich die Hand

Corinna Kastner hat einen Roman vorgelegt der eine gelungene Mischung aus Mystery und Liebesroman ist, aber ebenso Thrillerelemente enthält, die den Leser ganz in den Bann der Geschichte ziehen. Die sehr anschauliche Beschreibung Guernseys ermöglichen es einem sich ganz der Inselidylle hinzugeben, auch wenn man noch nie auf dieser Insel gewesen ist. Der Autorin gelingt es sogar, dem Leser das Gefühl zu vermitteln, bei seinem ersten Guernseybesuch auf eine Karte verzichten zu können – vorausgesetzt er hat dieses Buch zur Hand, das einen Kreuz und Quer über die Insel führt, hin zu den schönsten Flecken dieses Eilands.

Ihre Figuren sind in ihrem Charakter so vielschichtig, dass sie den Leser immer wieder auf ein Neues verwundern oder verärgern, weil sie plötzlich anders als erwartet auf eine Situation reagieren, die Corinna Kastner gekonnt inszeniert. Innerhalb des Verlaufs der Geschichte entwickeln sich im Kopf des Lesers immer neue Lösungsansätze des Geheimnisses, auf dessen Fährte sich Nathalie und ihre Freunde befinden. Und jedes Mal führen sie nur wieder in eine neue Sackgasse.

Vergangenheit und Gegenwart

Auch als Eileen und Jack zum ersten Mal auftauchen und den Leser mit in die Vergangenheit nehmen, hemmt dieser Szenenwechsel weder den Lesefluss noch stört er den entstandenen Spannungsbogen.

Immer weiter dreht sich das Schicksal zwischen Vergangenheit und Gegenwart bis sich zum Schluss doch die gesamte Tragweite des geschehenen vor einem ausbreitet. Und die Wahrheit, die so tief in der Vergangenheit verborgen war, ist plötzlich so klar, dass man sich fragt, wieso man nicht eher darauf gekommen ist.

Einzig der Anfang könnte ein paar Schwierigkeiten bergen, denn die sehr ausführlichen Beschreibungen von Nathalies Alltag wirken doch etwas zäh. Das ändert sich jedoch allerspätestens mit dem Eintreffen auf Guernsey. Hat man es bis zur Insel geschafft, wird es schwierig, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Zu fesselnd ist Eileens Geheimnis.
- in: Rezension Mystery 419 mal gelesen

Tintagel

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